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Schwerin/Rostock Diplom-Kritik geht an Realität vorbei

Von Angela Hoffmann | 03.12.2010, 10:06 Uhr

Jobkiller oder Jobmotor? Um die Wiedereinführung des Diplom-Abschlusses an den Hochschulen des Landes ist ein kurioser Etikettenstreit entbrannt.

Studenten, Wissenschaftler und Professoren der Universität Rostock wehrten sich gestern gegen entsprechende "Brandbriefe" mit heftiger Diplom-Kritik von Arbeitgeber- und Unternehmerverbänden.
"Es geht nicht darum, wieder die alten Diplom-Studiengänge einzuführen, sondern lediglich um den Titel Diplom-Ingenieur als ein Markenzeichen der deutschen Ingenieurausbildung", stellte der Dekan der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik, Professor Egon Hassel, in einem Schreiben an alle Landtagsabgeordneten klar.

Hintergrund: Mit dem neuen Landeshochschulgesetz sollen insbesondere Absolventen von Masterstudiengängen die Möglichkeit bekommen, bei entsprechender Studienleistung auf Antrag den Diplom-Titel zu erhalten. Darum hatten vor allem Ingenieure gebeten, die ohne das imageträchtige deutsche Diplom um ihre guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt fürchten.

Arbeitgeberverbände behaupten indes exakt das Gegenteil. Andere Abschlüsse als Bachelor und Master würden international nur Verwirrung stiften und die Jobchancen schmälern, heißt es in einem Schreiben der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Bundesverbandes der deutschen Industrie an die Abgeordneten des Bildungsausschusses im Landtag. Hochschulpolitisch entstehe ein "großer Schaden" durch die Abkehr von der Bologna-Reform für einheitliche Bachelor- und Masterabschlüsse.

Eine Abkehr sei jedoch gar nicht vorgesehen, betonte gestern der CDU-Hochschulpolitiker André Specht. "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht." Es gehe schließlich nicht um ein Parallelstudium, sondern nur um eine Optimierung für Studenten auf dem Arbeitsmarkt. Studien- und Prüfungsleistungen seien identisch. Auch der SPD-Hochschulexperte Mathias Brodkorb verteidigte den Gesetzentwurf, über den der Landtag Mitte Dezember entscheidet: "Warum sollen wir die Ingenieure quälen?" Jetzt könne jeder Student selbst über den Titel entscheiden. Das sei in den Anhörungen seit Frühjahr immer wieder gefordert worden. Entsprechend groß sei nun auch die Zustimmung im Land.