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Bevölkerungsprognose Die Zukunft sieht alt aus

Von Thomas Volgmann | 26.10.2011, 10:26 Uhr

Die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern vergreist. In knapp 20 Jahren soll die Zahl der über 80-jährigen Einwohner um etwa 80 Prozent zunehmen.

In Dobbertin im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Bis Ende 2012 sollen in einem landesweiten Modellvorhaben knapp 40 barrierefreie Miet-Bungalows mit Spazierwegen, Ruhe- und Sportplätzen für alte Menschen entstehen. Gleich neben dem künftigen Seniorenkiez "Wiesengrund" ist zudem ein neues Ärztehaus in einer denkmalgeschützten Scheune vorgesehen. Mecklenburg-Vorpommern altert und schrumpft schneller als andere Bundesländer - Dobbertin bereitet sich darauf vor.

Nach einer Bevölkerungsprognose der Bertelsmann Stiftung, die gestern vorgestellt wurde, soll bis 2030 die Hälfte der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns älter als 54 Jahre sein. Besonders stark bekommen die Regionen Demmin und Parchim den demographischen Wandel zu spüren. "Hier wird die Hälfte der Bevölkerung bis 2030 älter als 58 Jahre sein", heißt es in der Studie.

Auffallend ist der rasante Anstieg der Hochbetagten. In knapp 20 Jahren soll die Zahl der über 80-jährigen Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern um etwa 80 Prozent zunehmen. "In der Region Bad Doberan sowie in der Stadt Neubrandenburg wird es 2030 sogar mehr als doppelt so viele über 80-Jährige geben als heute", errechnete die Bertelsmann Stiftung.

Dabei liege das nordöstliche Bundesland beim Wachstum der Altersgruppe über 80 Jahre deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 59 Prozent. Im Bundesländervergleich gibt es stärkere Zunahmen nur in Brandenburg (93 Prozent) und Berlin (92 Prozent).

Nur noch 1,4 Millionen Einwohner

Doch der Nordosten vergreist nicht nur, die Bevölkerung schrumpft auch schneller als in anderen Ländern. Die Bevölkerungszahl wird bis zum Jahr 2030 um 12,5 Prozent auf 1,44 Millionen Menschen sinken. "Wachsen wird die Bevölkerung in keinem Landkreis", prognostiziert die Studie. In der Region um Demmin werden fast ein Viertel weniger Menschen leben. Der geringste Rückgang wird mit 3,3 Prozent für Bad Doberan erwartet.

Die Zahl der Kleinkinder unter drei Jahren nimmt laut Prognose im Vergleich zu 2009 um ein Drittel (32,7 Prozent) ab. Demmin verliert mit 48 Prozent die meisten Kleinkinder, die Stadt Greifwald mit 14,8 Prozent die wenigsten.

"Unsere Bevölkerungsprognose zeigt sehr deutlich, wo die Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ihre Planung überdenken müssen", sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nannte den demografischen Wandel im Interview mit unserer Redaktion als eine der "größten Herausforderungen seiner neuen Amtszeit".

Doch viele Städte und Gemeinden sind auf die Entwicklung noch längst nicht eingestellt. Häufig müssen wie in Schwerin Senioren Jahre auf eine altersgerechte Wohnung warten.

In Dobertin ist man längst weiter. Der Vorteil des Projekts "Wiesengrund": Alte Menschen können mitten in den dörflichen Gemeinschaft wohnen bleiben und werden nicht in städtischen Altenheimen untergebracht. Auf der anderen Seite entstehen Service-Netzwerke für die Alten mit Hausmeister-, Einkaufs- und Gärtnerdienst, Haushaltshilfen sowie Fahr- und Pflegeangeboten, die Arbeitsplätze schaffen.