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Weihnachtsmann-Prozess Die Zentimeter-Frage

Von ingo | 28.02.2014, 07:43 Uhr

Prozess um falsche Weihnachtsmänner: Zeuge muss zur amtlichen Vermessung

Kurz vor Heiligabend 2009 haben zwei falsche Weihnachtsmänner eine Schweriner Familie in ihre Gewalt gebracht, um Geld zu erbeuten. Der Fall blieb lange unaufgeklärt. Bis René P. vor einem anderen Prozess den Überfall gestand und Denny P. als Mittäter belastete.

Beide sitzen nun seit Jahresbeginn wegen erpresserischen Menschenraubes im Schweriner Landgericht auf der Anklagebank. Doch Denny P. streitet ab, einer der Weihnachtsmänner gewesen zu sein und brachte schon im Vorfeld einen Dritten ins Spiel. Der wurde gestern vor Gericht gehört. „Sind Sie das?“, fragt der Vorsitzende Richter und zeigt dem Zeugen das Foto einer Überwachungskamera, die den Moment aufnimmt, als ein Mann in Weihnachtsmannkostüm und mit Skimaske mit der EC-Karte des Familienvaters Geld abhebt. „Mit Sicherheit nicht“, sagt der Zeuge. „Wieso nicht?“, hakt der Richter nach. „Weil ich so etwas nie anziehen würde“, kontert der Zeuge.

Nun hält sich das Gericht lieber an Fakten. Dazu hat es gestern einen Sachverständigen vom Landeskriminalamt befragt. Der hatte in einem komplizierten Verfahren versucht, anhand des Fotos die Körpergröße des Täters zu bestimmen. „175 bis 185 Zentimeter“ hatte während der Ermittlungen ein Polizist aus dem Gutachten herausgelesen – und den Zeugen schon im Vorfeld aussortiert. Der misst nämlich laut Angaben im Personalausweis nur 171 Zentimeter. „In Wirklichkeit bin ich größer“, sagt der Zeuge gestern und muss sich nun kommende Woche zur „amtlichen Vermessung“ bei der Polizei melden.

Doch vermutlich kommt es darauf gar nicht mehr an. Denn der LKA-Experte konnte gestern eines mit ziemlicher Sicherheit sagen: „Die Größenangaben im Ausweis stimmen nie“. Die tatsächliche Körpergröße des Täters aber anhand des Fotos seriös zu bestimmen, scheint nahezu unmöglich.

Denny P. jedenfalls ist – nur der Vollständigkeit halber – 176 Zentimeter groß. Gestern musste er einen Teil der Verhandlung an Händen und Füßen gefesselt verfolgen. Er hatte sich zu sehr über einen Zeugen erregt, den er aus der Haft kennt. Der versicherte, Denny P. habe ihm gegenüber schon 2010 gestanden, der zweite Weihnachtsmann gewesen zu sein. Glaubhaft oder nicht? Das Gericht scheint keinen großen Aufklärungsbedarf mehr zu haben – zumal auch eine DNA-Spur vom Tatort Denny P. belastet. Am nächsten Prozesstag soll der Psychiater sein Gutachten vorstellen. Mitte März könnten Plädoyers und Urteil folgen.