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Kolumne von Theresia Crone Die Uhr tickt – oder TikTokt?

Von Theresia Crone | 28.07.2020, 16:00 Uhr

Theresia Crone setzt sich in ihrer Kolumne mit der chinesischen Video-App auseinander.

Unsere digitale Welt tickt schnell. Die Politik hingegen hinkt eher hinterher. Zurzeit gibt es mal wieder ein Phänomen, das zeigt, wie gefährlich diese Diskrepanz sein kann. TikTok – so heißt die am schnellsten wachsende soziale App. Sie zeigt dem Nutzer per Algorithmus Kurzvideos an und lernt dabei schnell die Interessen der meist jugendlichen Nutzer kennen.

Die Videos werden so immer präziser auf die Interessen der Nutzer zugeschnitten. Harmlos ist die chinesische Entwicklung nicht. Bereits nach einer kurzen Nutzungszeit und dem üblichen Liken und Überspringen weiß dieser Algorithmus vermutlich mehr über die Sexualität, die Interessen und den Humor des Nutzers als er selbst. Der Konzern hat also Zugriff auf unglaublich viele und sensible Daten von Jugendlichen. Was damit passiert?

Das weiß leider niemand so genau. Hinzu kommt, dass dem Konzern immer wieder vorgeworfen wird, dass er eng mit der chinesischen Regierung zusammenarbeite. Deutlich wird das an der weltweiten Zensur von TikTok-Videos, in denen beispielsweise Menschenrechtsverletzungen in China kritisiert werden.

In Indien wurde TikTok auch deswegen verboten. Auch Trump überlegt das. In Deutschland? Hier wissen die wenigsten Politiker über die Plattform mit 5,5 Millionen aktiven Nutzern im Land Bescheid. Selbst auf Nachfrage von „Business Insider“ hat der Vorsitzende der Deutschen Datenschutzkonferenz verlauten lassen, dass man sich in das Thema erst einmal einlesen müsse. TikTok zeigt, dass das Tempo unserer Politik nicht mehr unserer Zeit angemessen ist. Das ist gefährlich, gerade weil so viele Nutzer minderjährig sind und die App ein großes Problem mit Kinderpornografie hat. Um die Jugend zu schützen, muss die Politik schneller handeln. Die Geschwindigkeit der digitalen Welt zeigt vor allem, wie wichtig es ist, mit den Jugendlichen in Austausch zu kommen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Das gilt für jeden. TikTok sollte ein weiteres Zeichen sein, dass die Uhr tickt und Deutschland droht eine ganze Generation zu verlieren, solange wir Jugendliche nicht wahrnehmen für das was sie sind. Die Zukunft.

Theresia Crone: Unsere Gastautorin ist 17 Jahre alt und Vorsitzende des Rates für Umwelt und Nachhaltigkeit MV (kurz: RUN). Sie setzt sich für die Interessen der jungen Generation in Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Dabei arbeiten die Jugendlichen mit der Landesregierung zusammen.