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Kommission der Herbstdeichschau besichtigte Erdgasleitung Die Pipeline kommt an der Elbe an

Von Dietmar Kreiß | 13.10.2011, 12:00 Uhr

Der Bau der 440 Kilometer langen Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) von Greifswald nach Rehden (Niedersachsen) geht voran. Spezialisten fügen die 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Röhren zusammen.

Er geht mit Riesenschritten voran: Der Bau der 440 Kilometer langen Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) von Greifswald nach Rehden (Niedersachsen). Spezialisten der Firma Bonatti aus Parma in Italien sind an mehreren Stellen dabei, die 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren Röhren zusammenzufügen. Bevor sie die Leitung in den Boden versenken, schweißen sie die bis zu 1,5 Kilometer langen Stränge zusammen. Das Eine-Milliarde-Projekt ist die längste Baustelle Europas. Im Herbst 2012 soll russisches Erdgas durch die Pipeline strömen. Um den Termin halten zu können, muss alles reibungslos funktionieren.

"Wir liegen im Plan", sagte gestern Matthias Keil. Er begleitet die Spezialfirma Bonatti aus dem italienischen Parma als beratender Ingenieur bei ihrer Arbeit von Banzkow an der B 106 bis nach Hittbergen. Es ist unübersehbar: Die Pipeline erreicht die Elbe und damit ein ehrgeiziges, aber keineswegs unüberwindbares Hindernis. Auf ihrem rund 70 Kilometer langen Weg haben die Arbeiter die Rohre bereits unter mehr als 30 Straßen getrieben, der Fachmann bezeichnet das Verfahren "Durchörtern". Es kam auch schon bei diversen Wasserläufen zum Einsatz, wie bei Sude, Schaale und Boize. Nun bereitet die Baukolonne am Elbedeich Horst alles für den Aufbau der großen Bohranlage vor. Matthias Keil kündigte ihre Ankunft für die nächste Woche an. Da die Baustelle eine Hochwasserschutzanlage des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg kreuzt, gehörte dieser Bereich natürlich zu den Stationen der diesjährigen Herbstdeichschau. Diese regelmäßige Aktion dient der Prüfung des ordnungsgemäßen Zustandes der Deiche einschließlich der anderen Hochwasserschutzbauwerke wie Schöpfwerke, Flutschleusen und Deichsiele in der Örtlichkeit, erklärte Michael Brüdigam vom StALU.

Von Matthias Keil erfuhr die Schaukommission, dass es keinerlei Sicherheitsbedenken gebe. Die Bohrung unter der Elbe sei bis zu 20 Meter tief und erfolge auf einer Länge von etwa einem Kilometer. Eingebrachte kleine rote Pfähle zeigen den Verlauf der Trasse, grüne markieren die 13 Messpegel, um sofort eventuelle Senkungen des Erdreiches festzustellen, mit denen eigentlich keiner rechnet.

Vertreter des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, des Landkreises Ludwigslust-Parchim, der Kommunen im Schaubereich, der Wasserschutzpolizei, der zuständigen Behörden und Verbände für den Hochwasserschutz vom benachbarten Bundesland Niedersachsen und des StALU Westmecklenburg zogen weiter, um das Hochwasserschutzsystem an der Elbe und den Rückstaugebieten in Augenschein zu nehmen. Im Schaubereich Boizenburg ging es den Experten vor allem um den Stand der Sofortmaßnahmen in Auswertung des extremen Januarhochwassers 2011 der Elbe sowie um die kurz vor ihrer Fertigstellung stehende Baumaßnahme Sanierung des linken Sudedeiches Mahnkenwerder.

Fazit der Deichschau: Die Hochwasserschutzanlagen sind in einem sehr guten Zustand und für hohe Wasserstände im Winter gerüstet.