Ein Angebot des medienhaus nord

Hunderte Tonnen in MV Die letzte Reise der Weihnachtsbäume

Von Iris Leithold | 05.01.2019, 10:43 Uhr

Mehrere hundert Tonnen ausgedienter Weihnachtsbäume sammeln die Entsorgungsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern im Januar ein. Einige Bäume bekommen aber noch einen Auftritt.

Gestern war er noch der festlich geschmückte Mittelpunkt des Wohnzimmers, heute lästiger Abfall: Die Glanzzeit des Weihnachtsbaums währt kurz. Die ersten ausrangierten Blaufichten und Nordmanntannen liegen bereits an den Straßenrändern. In den nächsten Wochen werden sie von den Entsorgungsunternehmen eingesammelt. Mehrere hundert Tonnen sind es allein in Mecklenburg-Vorpommern. Wohin geht ihre letzte Reise?

200 Tonnen ausgediente Bäume allein in Rostock

Viele Bäume werden geschreddert und kompostiert, zum Beispiel in Rostock. Im Kompostwerk Parkentin nahe der Hansestadt dauere das bei mehrfachem Umsetzen der Kompostmieten etwa sechs Monate, sagt Steffen Böhme von der Stadtentsorgung Rostock GmbH. Das Substrat werde anschließend an die Landwirtschaft verkauft. Der Aufwand sei höher als der Ertrag, doch das Minus sei in der Müllgebühr drin.

Rund 200 Tonnen ausgediente Weihnachtsbäume werden nach Böhmes Worten allein in Rostock bis zum 1. Februar von den Sammelplätzen abgeholt und entsorgt. Mit Rest-Lametta oder Plastiktüten als Transporthülle für die dahinnadelnde Pracht gebe es kaum Probleme, da seien die Bürger ganz vernünftig. Im Kompostwerk werde aber vorsichtshalber noch einmal kontrolliert.

Zweites Lebens als Wurfgeschoss

Bundesweit werden jedes Jahr geschätzt 23 bis 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Den wenigsten ist ein später Auftritt im neuen Jahr vergönnt, wie etwa in Vitte auf Hiddensee. Kurdirektorin Katrin Köppen beauftragt nach dem Fest einen Verwaltungsmitarbeiter mit der Suche nach geeigneten Exemplaren für den Weihnachtsbaum-Weitwurf - ein Event, das dieses Jahr am 6. Februar stattfindet. Dann sind Winterferien und Gäste auf der Insel.

«Es sind gebrauchte Bäume von der Insel», sagt Köppen. Für die Kinder seien sie 80 bis 90 Zentimeter hoch, für die Männer zwei Meter lang «und für die Frauen etwas dazwischen». Voriges Jahr hatten sich 93 Teilnehmer eintragen. Die Sieger kamen von der Insel: 7,57 Meter schaffte Robert Wiechmann, 6,01 Meter Steffi Klug. «Wir rechnen dieses Jahr wieder mit um die 100 Teilnehmern», sagt Köppen. «Werfen, schmeißen, schleudern, mit und ohne Anlauf - alles ist erlaubt.»

«Fichten vernichten» und «Tannenbaumfeuer»

Beim «Knutfest» in Zinnowitz auf Usedom, das einen schwedischen Brauch aufgreift, werden die Weihnachtsbäume am 12. Januar erst geworfen und anschließend verbrannt. Für jeden mitgebrachten Tannenbaum gibt es einen Heißgetränke-Gutschein. Das gemeinsame Weihnachtsbaumverbrennen hat sich mancherorts als Januar-Gaudi etabliert. «Fichten vernichten» heißt es zum Beispiel am 19. Januar bei der Freiwilligen Feuerwehr Vogelsang-Warsin (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Eine Woche vorher organisiert die Freiwillige Feuerwehr in Lubmin ihr «Tannenbaumfeuer 2019». In Dömitz an der Elbe lädt die Feuerwehr ebenfalls am 12. Januar zum Weihnachtsbaum-Verbrennen. In Burg Stargard heißt die Aktion «Tannen in Flammen».

Zahlreiche Weihnachtsbäume müssen abgeholt werden

Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands ist der Brauch aber bisher nicht allzuweit verbreitet. Und so bleiben den Entsorgungsunternehmen Hunderte Tonnen ausgedienter Weihnachtsbäume zum Abholen. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind es geschätzt 60 bis 65 Tonnen, die bis zum 23. Januar von den 340 Sammelstellen abgeholt werden, wie ein Kreissprecher sagte.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird dieses Jahr mit 115 bis 120 Tonnen gerechnet. Wer sich an der Seenplatte von seinem Bäumchen länger nicht trennen mag, kann es später auch selbst zum Wertstoffhof bringen. «Dort ist allerdings eine Annahmegebühr zu zahlen», sagt Landkreissprecherin Haidrun Pergande.