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Winterreifenpflicht Die Lager leeren sich

Von Lars Reinhold | 02.12.2010, 01:02 Uhr

Was sich mit der Entscheidung des Bundesrates ändert, wie die Prignitzer Werkstätten reagieren und warum der ADAC die „weiche“ Pflicht für einen gelungenen Kompromiss hält.

Seit Freitag ist es amtlich: Künftig müssen Autofahrer bei Eis, Schnee und Schneematsch Winterreifen aufziehen. Bei Verstößen sind 40 statt bislang 20 Euro fällig. Wer den Verkehr bei winterlicher Witterung durch unpassende Reifen behindert, muss gar 80 Euro zahlen. Eine generelle Pflicht für entsprechende Pneus in der kalten Jahreszeit ergibt sich daraus laut ADAC allerdings nicht - wer Schnee, Eis und Matsch vermeiden kann, der darf auch im Winter mit Sommerreifen fahren.

Prignitzer Werkstätten berichteten unabhängig von der Diskussion um die Winterreifenpflicht bereits seit Anfang Oktober von einem florierenden Reifen- und Montagegeschäft, und durch die neue Verordnung sei auch jetzt die Nachfrage nach Winterreifen noch einmal gestiegen. "Inzwischen wird es schwierig, noch alle Größen und Marken zeitnah zu bekommen", erklärt Manfred Stande vom Wilas Reifenservice Wittenberge. Insgesamt haben wir mehr Umsatz als im Vorjahr, im ersten Ansturm mussten manche Kunden eine Woche warten, bis wir sie bedienen konnten." Die Diskussion um die Winterreifenpflicht sei aber nicht entscheidend für die gute Auftragslage, bemerkt Stange. "Viele Stammkunden haben ihre Winterräder bei uns eingelagert und kommen ohnehin zum Wechsel, sobald es kalt wird."

Bei der Werkstatt von Norbert Beckmann in Reetz lag der Andrang anfangs etwa auf Vorjahres-Niveau. "Was wir festgestellt haben, ist eine erhöhte Nachfrage nach Ganzjahresreifen", bemerkt der Kfz-Meister, bei dem Wechselwillige nach Anmeldung zumeist am selben oder am nächsten Tag drankommen. Mit der Einführung der Pflicht, bei Schnee und Eis Winterreifen zu fahren, registriert auch Beckmann nochmals einen Anstieg der Aufträge. "Jetzt kommt mancher, der vielleicht doch dachte, er kommt drum herum", so Beckmann. "Die Reifenlager der Hersteller leeren sich aber, denn die sind schon wieder auf Sommerproduktion eingestellt. So kann es sein, dass die gewünschte Marke gar nicht mehr zu bekommen ist, und man Kompromisse machen muss."

Der ADAC sieht in der Entscheidung des Bundesrates einen guten Kompromiss. "Die Straßenverhältnisse und nicht die Jahreszeit sind entscheidend, welche Reifen auf die Achse gehören", bemerkt Jörg Kirst, zuständig für Verkehr und Technik beim ADAC Berlin Brandenburg. "Die alte Regelung hat die Autofahrer mit der schwammigen Formulierung eher verunsichert, jetzt herrscht Klarheit."