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Steuerskandal bei Schiedsrichtern? Deutscher Fußball-Bund durchsucht

Von Marc Schmidt, sid | 24.10.2011, 09:27 Uhr

Dem Deutschen Fußball droht ein weiterer Schiedsrichter-Skandal. Steuerfahnder haben am Montag die DFB-Zentrale in Frankfurt/Main durchsucht und Unterlagen aus dem Schiedsrichterbereich gesichtet.

Dem Deutschen Fußball droht nach einer Razzia der nächste Schiedsrichter-Skandal. Fünf Steuerfahnder haben am Montag die DFB-Zentrale in Frankfurt/Main durchsucht und Unterlagen aus dem Schiedsrichterbereich gesichtet. Zudem sollen vor allem in Süddeutschland Wohnungen prominenter Bundesliga-Referees durchsucht worden sein.

Das deutsche Schiedsrichterwesen war bereits vor zwei Jahren einmal ins Visier der Steuerbehörden geraten: 2009 wurde der frühere FIFA-Referee Michael Kempter (Sauldorf) wegen Steuerhinterziehung in mehreren Fällen zu 23 750 Euro Geldstrafe verurteilt. Dass der Sex-Skandal zwischen Kempter und dem früheren DFB-Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell in Zusammenhang mit der anonymen Anzeige steht, die zu den gestrigen Hausdurchsuchungen führte, scheint immer offensichtlicher zu werden. So verdichten sich die Anzeichen, dass die ursprüngliche Anzeige möglicherweise aus dem Umfeld Amerells kommt.

Generalsekretär Niersbach: Keinerlei Vorwürfe gegen DFB

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach erklärte: "Es gibt keinerlei Vorwürfe gegen den DFB. Wir werden die Steuerbeamten bei den Ermittlungen selbstverständlich mit all unseren Möglichkeiten unterstützen. Die korrekte Versteuerung seiner Einnahmen obliegt jedem Schiedsrichter selbst."

Hintergrund der gemeinsamen Aktion mehrerer Staatsanwaltschaften und Steuerfahndungen sei nach Angaben der Beamten der Verdacht, dass Schiedsrichter Einnahmen nicht ordnungsgemäß versteuert hätten. Laut der Süddeutschen Zeitung ermitteln die Behörden sogar gegen knapp zwei Dutzend Personen. Nach SZ-Angaben soll der DFB zudem bereits seit dem Frühjahr von möglichen Unregelmäßigkeiten gewusst haben.

Ein Bundesliga-Referee aus München, der namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte, dass auch seine Wohnung gestern durchsucht worden war. Nach SID-Informationen prüften die Steuerfahnder vor allem Gewerbesteuerabgaben ab 2009 und Fahrtenbücher. So soll der Münchner Referee am 25. März 2007 ein Frauenfußballspiel in Unterhaching geleitet und die 35 Euro Fahrtgeld angeblich nicht korrekt abgerechnet haben.

Das DFB-Schiedsrichterwesen war seit 2005 immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Zunächst belastete die Manipulationsaffäre um den ehemaligen Referee Robert Hoyzer die Gilde, dann folgte zu Beginn des vergangenen Jahres der Sex-Skandal um Kempter und Amerell. Hintergrund der noch immer schwelenden Auseinandersetzung ist, dass Kempter seinem früheren Förderer Amerell sexuelle Belästigung in mehreren Fällen vorwirft. Amerell besteht darauf, dass die Affäre stets einvernehmlich war. Er verlangt wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte Schmerzensgeld.