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Weihnachtsspendenaktion Diana Dolge-Mutschall hat für den Wünschewagen (fast) immer Zeit

Von Sebastian Lohse | 09.12.2021, 18:25 Uhr

Die Wünschewagen-Ehrenamtliche aus Kühlungsborn weiß von Berufs wegen, was es heißt, im Einsatz für todkranke Menschen zu sein – und liebt ihre Arbeit.

Diana Dolge-Mutschall hat in ihrem Beruf einiges erlebt. Als examinierte Krankenschwester hat sie jahrelang intensivmedizinisch gearbeitet und Menschen getroffen, deren Lebenszeit zu Ende ging. „Durch meine Arbeit habe ich so viele Schicksale gesehen und begleitet“, sagt sie. Als sie durch Zufall Werbung für den ASB-Wünschewagen sieht, ist klar, dass sie mitmachen möchte.

„Tatsächlich bin ich über ein Gesundheitsstudio darauf gekommen.“ Dort stand ein großer Aufsteller zum Wünschewagen. Sie hat sich dort gemeldet und dann ging es ganz schnell. „Gefühlt drei Tage später war ich bei der Schulung.“ Seit Oktober 2020 ist die Kühlungsbornerin als Ehrenamtliche im Einsatz.

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Aus gesundheitlichen Gründen musste die 50-Jährige kürzertreten und ist seit sieben Jahren in Rente. Das hat sie nicht daran gehindert, sich weiterhin für Menschen, denen es schlechter geht, einzusetzen. „Das ist für mich eine Herzenssache“, sagt sie. Mittlerweile hat die gebürtige Perlebergerin etwa ein Dutzend Fahrten mitgemacht.

Eine Hochzeit, die in Erinnerung bleibt

Eine Wünschewagen-Fahrt ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Von der Palliativstation in Rostock ging es für eine Frau nach Altentreptow. Sie wollte die Hochzeit ihrer Tochter mitfeiern. „Die wurde extra ein Jahr vorgezogen. Die Tochter und ihr Mann wollten eigentlich erst ein Jahr später heiraten, weil sie dann 20 Jahre zusammengewesen wären“, weiß die Wunscherfüllerin. So haben sie sich dann aber schon nach 19 Jahren das Jawort gegeben.

„Es war ein wunderschönes Fest an einem tollen Sommertag mit viel Familientrubel“, erinnert sich die Ehrenamtliche mit einem Lächeln. Doch für die Wünschende war es auch sehr anstrengend. Sie hatte eine schwere Lungenkrankheit und musste mit Sauerstoff versorgt werden. „Als wir sie abends in den Wünschewagen eingeladen hatten, bekam sie einen Hustenanfall und Atemnot.“ Für das Team war der Ernst der Lage klar. Noch in der Nacht ist die Frau für immer eingeschlafen. „Da konnte sie loslassen“, sagt Diana Dolge-Mutschall. „Das war schon emotional.“

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„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“

Auf die Frage, ob sie so etwas gedanklich mit nach Hause nimmt, antwortet sie umgehend mit Nein. „Das habe ich schon früher nicht.“ Anders hätte sie ihre Arbeit auf der Verbrennungsintensivstation nicht überstehen können. „Da haben sich Menschen selbst angezündet und wollten sterben. Dann haben wir sie wieder zusammengeflickt und hinterher haben sie sich doch auf eine andere Art umgebracht.“ Es mag komisch klingen, aber ihre Devise ermöglichte der Kühlungsbornerin ihren Job: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.“

Sie klingt abgeklärt, wenn sie das sagt. Doch Diana Dolge-Mutschall weiß, dass nicht jeder für eine Wünschewagen-Fahrt gemacht ist. Vor allem sterbenskranke Menschen zu sehen, sei für viele schwer. „Man muss das Nervenkostüm dafür haben. Es bringt nichts, wenn man hinterher fix und alle ist. Es ist auch keine Schande zu sagen, dass man es nicht hinbekommt.“ Für sie sei die Arbeit nie ein Problem gewesen.

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Helfen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, letzte Wünsche zu erfüllen.Spendenkonto:ASB-Landesverband MV e.V.Bank für SozialwirtschaftIBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00BIC: BFSWDE33BERStichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“ASB-LV Brandenburg e.V.Bank für SozialwirtschaftIBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401BIC: BFSWDE33BERStichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“Benötigen Sie eine Spendenquittung, schreiben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck.

Viel Spaß trotz traurigem Anlass

„Auf allen Fahrten, auf denen ich war, war neben dem traurigen Anlass auch immer viel Spaß dabei.“ So wurde in einer Toilette im Berliner Tierpark aus einer Panikattacke ein Planschvergnügen. Eine junge Rollstuhlfahrerin, die an amyotropher Lateralsklerose (ALS) litt, musste beruhigt werden. „Da habe ich den Wasserhahn aufgedreht und ihre Hände druntergehalten, um den Puls runterzukühlen. Plötzlich fragte sie: ,Können wir die Beine mal nass machen?' Dann haben wir das Kleid hochgemacht und mit Wasser gepatscht. Und sie hat sich gefreut, es war so schön.“ Am Ende stand die Toilette unter Wasser. „Das war in dem Moment so was von egal.“

Wenn Diana Dolge-Mutschall über ihre Wünschewagen-Einsätze spricht, sieht man ihr die Freude an. „Es ist so eine tolle Sache, diesen Menschen ihre Wünsche zu erfüllen.“ Auch die Organisation der Fahrten und die Kooperation beeindrucke sie. Am größten ist für sie aber der Lohn, den sie erhält. „Diese Dankbarkeit, die man zurückbekommt, auch von den Angehörigen, das ist einfach nur fantastisch.“ Dafür hat sie schon mal einen bezahlten Job abgesagt. „Ich bin stattdessen Wünschewagen gefahren, weil mir das einfach wichtiger war.“