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Weihnachtsspendenaktion Das Projekt Wünschewagen gibt Manuela Hentze viel zurück

Von Sebastian Lohse | 15.12.2021, 17:50 Uhr

Seit anderthalb Jahren ist die Bad Doberanerin ehrenamtlich unterwegs und hat einen neuen Blickwinkel aufs Leben bekommen.

Sie sah den Wünschewagen und es hat Klick gemacht. „Ich dachte mir, irgendetwas Gutes möchte ich noch machen in meinem Leben“, erinnert sich Manuela Hentze. „Aber ich hatte mich nicht wirklich getraut.“ Ein Mitarbeiter vom Rettungsdienst gab ihr den nötigen Schubser. „Er hat gesehen, dass ich Palliativfachkraft bin, und sagte: ,Jetzt geb ich dir die Nummer. Ruf doch mal an.'“ Sie hat sich gemeldet, und wenige Wochen später kam die erste Wünschewagen-Fahrt rein.

Mit dem Grill auf dem Rastplatz

An die kann sich die 50-Jährige gut erinnern. Der Wünschende war ein Mann aus einem Greifswalder Hospiz, der ein letztes Mal in seine alte Heimat am Neckar fahren wollte. Aufgrund von Corona war vor Ort nahezu alles geschlossen, also improvisierte das Team. „Wir haben uns einfach einen kleinen Camping-Grill gekauft und auf einem Rastplatz gegrillt“, erzählt sie.

Für den Mann, der an einem Lungenkarzinom litt, war die Tour sehr anstrengend. „Er wollte erst nicht, dann aber doch. Am Ende hat er sich so gefreut, dass wir sie gemacht haben. Es war eine dankbare Fahrt“, sagt Manuela Hentze.

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Mittlerweile ist sie seit anderthalb Jahren ehrenamtlich im Einsatz für den Wünschewagen. Jede Reise ist anders. „Man weiß nicht, was einen erwartet, wenn man einsteigt. Ich kann mir vorher ein Bild von der Krankheit des Wünschenden machen, aber was wirklich mit ihm ist, erfahre ich erst, wenn ich ihn sehe.“ Die meisten freuen sich aber und sind aufgeregt.

FKK als letzter Wunsch

So auch bei der Fahrt, als nicht nur ein älterer Herr baden ging. „Die Familie wollte, dass er noch mal FKK machen kann“, erinnert sich Manuela Hentze. „Aber ich nicht, bitte!“, ergänzt sie lachend ihre damalige Bedingung. „Das war eine ganz herzliche Familie, die dort jahrelang immer wieder auf dem Campingplatz war.“ Letztlich waren alle im Wasser, einige mehr, andere weniger bekleidet.

„Als die Tochter sagte, es gäbe hier Ringelnattern, war ich aber ganz schnell wieder draußen“, sagt die Ehrenamtliche. An dem Tag wurde viel gelacht. „Wenn auch die Angehörigen lustig drauf sind, ist das sehr hilfreich. Ich glaube, das lässt auch den Wünschenden seine Krankheit vergessen. Er lebt einfach.“

Solche Momente machen das Projekt Wünschewagen für Manuela Hentze so besonders. „Es gibt mir unwahrscheinlich was zurück“, sagt sie. Vor allem die Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird, mache sie glücklich. „Und wenn es nur ein Händedruck oder ein Lächeln ist. Das erfüllt den ganzen Tag.“

Jede Fahrt muss abgeschlossen werden

Dass nicht jeder Ausflug so glücklich verläuft, hat sie auch schon erlebt. Umso wichtiger ist es, dass solche Fahrten abgeschlossen werden. „Sobald der Wünschende wieder raus ist und der Wagen gesäubert und abgestellt wurde, ist die Tour beendet. Das kann ich nicht mitnehmen, sonst kann ich diese Arbeit nicht machen.“ Das gilt auch für ihren Job als Pflege- und Palliativfachkraft in einer Seniorenpflegeeinrichtung in Kühlungsborn.

Der Wünschewagen gibt Manuela Hentze einen anderen Blickwinkel aufs Leben. „Man schätzt jeden Augenblick“, erklärt sie. „Man kann sich auch an scheinbar kleinen Dingen wie einem Regenbogen erfreuen. Auf einmal ist er da und auf einmal ist er weg. Es ist nichts beständig im Leben und man muss jeden Augenblick genießen.“

Das möchte sie auch den todkranken Menschen mit ihren letzten Reisen ermöglichen. „Während der Fahrt konzentriert man sich nur auf den Wünschenden. Er ist die Hauptperson, es ist sein Tag.“

Von Thüringen an die Ostsee

Eigentlich kommt Manuela Hentze aus Thüringen. Aber seit 2003 lebt sie in Bad Doberan. „Ich wollte schon als Kind an die Ostsee ziehen“, sagt sie freudestrahlend. Die Nähe zum Meer ist ihr wichtig, auch als Ausgleich zur Arbeit. Sie geht viel an den Strand. „Ich laufe und schreie auch mal.“

In ihrer Freizeit ist die dreifache Mutter gern unter Menschen und unter anderem im Karnevalsverein aktiv. „Langeweile kenne ich nicht.“ So kam sie auch zu ihrem Hobby. „Ich hatte mir gesagt, entweder ich mache einen Motorradführerschein oder einen Flugschein oder ich spiele Schlagzeug.“ Schließlich ist es das Instrument geworden. Seit 2008 spielt sie die Drums. Vor zehn Jahren nahm auch ihr Sohn die Drumsticks in die Hände. Seitdem teilen sie sich das Schlagzeug.

Dass Manuela Hentze teilen kann, beweist sie auch mit ihrem Ehrenamt. Für die Zukunft hofft sie, dass der Wünschewagen für immer erhalten bleibt. „Damit wir noch ganz viele Wünsche erfüllen und ihnen gerecht werden können.“

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