Ein Angebot des medienhaus nord

Schlösser und Gutshäuser Der Traum vom Haus am See

Von Dörte Rahming | 30.08.2015, 09:00 Uhr

Architekt Ulrich Bunnemann hat das Gutshaus von Klein Labenz gerettet

Keine Allee, die auf das Herrenhaus zu führt, kein rosenbestandenes Rondell vor dem Flügelportal: Das Gutshaus von Klein Labenz bei Warin liegt versteckt hinter landwirtschaftlichen Gebäuden. Ein Sandweg führt dorthin, drumherum gibt es nur Wiese. Und dahinter den See. „Das war es, wonach wir lange gesucht haben“, sagt Ulrich Bunnemann, der es vor fünf Jahren ersteigert hat. Ein historisches Gebäude sollte es sein, denn der Architekt aus Schwerin befasst sich auch im beruflichen Leben mit alten Gemäuern, die er wieder zum Leben erweckt. „Dieses hier ist älter als es aussieht“, sagt der Fachmann. „Es wurde 1760 erbaut, hat also einen barocken Kern. Vor etwa hundert Jahren hat man es mit einer Ziegelmauer umbaut.“ Innen sind jedoch überall die alten Fachwerkbalken zu sehen. Zu DDR-Zeiten war das Haus unter anderem Sitz der LPG. „Es gab erstaunlicherweise sogar einen schallgeschützten Raum“, erzählt Bunnemann. „Keine Ahnung, wozu der gebraucht wurde.“ Zuletzt hatte das Haus geschätzte 15 Jahre leer gestanden. „Als wir es kauften, war es eine Ruine. Wir haben zuerst die Verkleidungen herausreißen und unendlich viel Müll entsorgen müssen. Dahinter kam die alte Struktur zum Vorschein, aber die war zum Teil weggefault. Noch ein paar Jahre länger, dann wäre das Haus wahrscheinlich eingestürzt.“ Denkmalgeschützt ist es nicht, obwohl es etliche Kriterien dafür erfüllt: eine ablesbare originale Raumstruktur, die besondere Funktion als Gutshaus, die dokumentierten Umbauphasen, die Original-Fenster zur Dorfseite hin.

Zuerst musste das Ganze gesichert werden. Das Dach war leicht zu reparieren, dann tauschten Zimmerer und Maurer die tragenden Strukturen aus, setzten Fenster und Türen ein. Die Wände wurden mit Lehm verputzt und mit Kasein-Farbe gestrichen, die Bunnemann selbst aus Kalk, Quark und Pigmenten angerührt hat. „Dort drüben zum Beispiel war die historische Kochstelle“, zeigt er. „Die Decke darüber war schwarz. Ich wüsste keine andere Farbe, die das abgedeckt hätte.“

Zur Dorfseite wurde die Fassade nicht verändert, sogar die alten Fenster wurden aufgearbeitet. Aber zur Seeseite gibt es jetzt Terrassentüren, denn heute ist das Gebäude eine Art großes Wochenendhaus für Familie und Freunde. Etwa ein Drittel der 600 Quadratmeter Fläche werden bisher genutzt. „Der Rest hat Zeit. Vielleicht bauen wir irgendwann im Obergeschoss noch Räume für Gruppen aus.“

Geheizt wird zum Teil über die Solaranlage auf dem Dach. Auch das Wasser wird mit Sonnenenergie erwärmt. Inzwischen gibt es mehrere bewohnbare Zimmer, eine Küche und im Bad sogar eine Wanne mit Seeblick. Während das ehemalige Gutshaus von außen gar nicht riesig wirkt, dehnt es sich innen enorm aus – insbesondere nach oben. Unterm Dach wären drei Etagen möglich.

Nimmt Bunnemann auf diese Art nicht praktisch seinen Beruf mit ins Wochenende? „Ich fand es wichtig, neben Zuhause und Büro noch einen weiteren Ort zu haben. Hier ist man in einer völlig anderen Welt, ganz nah an der Natur und ohne den Geräuschpegel einer Stadt. Wir haben es von der ersten Stunde an genossen.“