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Störtebeker-Festspiele auf Rügen Der neue Pirat

Von Ronny Stein | 03.04.2020, 11:00 Uhr

Moritz Stephan übernimmt bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen die Hauptrolle

Bis heute wird der Freibeuter Klaus Störtebeker als „Robin Hood“ der Armen glorifiziert. Hartnäckig hält sich die Legende, der Vitalienbruder habe mit einem Teil seiner Beute Arme und Bedürftige unterstützt. Im Sommer wollen die Störtebeker-Festspiele auf der schönen Insel Rügen den legendären Piraten wieder mit einer großen Open-Air-Show feiern. Das neue Bühnenstück „Im Angesicht des Wolfes“ soll mit über 150 Mitwirkenden, 30 Pferden, vier Schiffen und mit unzähligen Spezialeffekten die Zuschauer verzaubern.

Zwei Saisons lang hatte zuletzt der Schauspieler Alexander Koll die Rolle des Störtebekers mit viel Erfolg verkörpert, dann gab er kürzlich bekannt, in diesem Sommer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Gründe für die Absage wurden nicht bekannt.

Festspielchefin Anna-Theresa Hick musste sich schnell um Ersatz bemühen. 120 Bewerber gab es für die anspruchsvolle Aufgabe. Die Festspielleitung entschied sich für Moritz Stephan, einen 30-jährigen Schauspieler aus Dresden, der 2015 an der Rostocker Theaterhochschule sein Diplom gemacht hat. Eigentlich wollte er damals lieber in Berlin oder Leipzig studieren, erzählt der Schauspieler im Gespräch mit unserer Zeitung. „Am Ende war es aber doch sehr schön, die Nähe zum Wasser, das Flair der Stadt gefielen mir. Und die Ausbildung war sehr intensiv.“

Eltern waren bei den Karl-May-Festspielen in Radebeul dabei

Am 21. Dezember 1989 in Radebeul geboren, wuchs Moritz Stephan in einer Schauspieler-Familie auf. Seine Eltern waren auch bei den Karl-May-Festspielen in Radebeul dabei. Da gab es für den kleinen Moritz schon Statistenauftritte. Als seine Mutter 1995 bei den Störtebeker-Festspielen in Ralswiek engagiert war, konnte er die Faszination dieser Bühne selbst erleben. „Gestandene Männer spielten da im Sand mit Schwertern, ritten auf gewaltigen Pferden. Das hat mich sehr beeindruckt. Da schwor ich mir, den Bodden im Rücken, das Schloss vor mir, mit meinen Füßen im Bühnensand, Schauspieler zu werden.“

Im Jahre 2008 war sein Vater Jürgen Haase dann als Bösewicht in Ralswiek zu sehen. Er besuchte ihn: „Da waren es nicht die Kinderaugen, die auf das Bühnengeschehen blickten. Aber der Reiz war für mich noch genauso groß. Es bleibt faszinierend, in eine andere Zeit zu reisen, in einen anderen Charakter zu schlüpfen.“

Als er von der Vakanz in Ralswiek erfuhr, war er interessiert. Es passte perfekt, da er das Engagement in Dresden aufgeben und in die Freiberuflichkeit gehen wollte. „Doch ich hatte Zweifel, ob ich überhaupt Chancen hätte.“ Seine Schwester hat ihm zugeredet. Dass es geklappt hat, die Wahl auf ihn fiel, macht ihn und seine Eltern sehr stolz. Doch er weiß, dass es nicht leicht werden wird. „Die Naturbühne ist riesengroß, 80 Meter breit, knöcheltiefer Sand. Da brauchen die Akteure Kraft und Ausdauer.“

Für die Rolle muss er zunehmen

Reiten kann Moritz Stephan schon, doch auch da braucht es nun Übung. Er hat sich schon mit Vulcano vertraut gemacht, dem schwarzen Hengst mit Festspielerfahrung. „Ich werde während der kommenden Wochen natürlich viel trainieren. Aber das ist kein Problem.“ Auch ist er bei seinen 1,90 Metern mit 73 Kilogramm Körpergewicht relativ leicht. „Jetzt heißt es zunehmen, fünf bis sechs Kilo. Ich bin ja eher der Sprintertyp. Nun muss ich Muskelmasse aufbauen.“

Wie Störtebeker wirklich aussah, wann er geboren wurde, ist unklar. Wie er zu seinem Namen gekommen ist, der aus dem Plattdeutschen übersetzt „Stürz den Becher“ heißt, scheint leichter erklärbar: Wie jeder Freibeuter soll er einen damals üblichen Krug mit vier Litern Bier oder Wein in einem Zug ausgetrunken haben. Der Sage nach wurde Störtebeker am Ende seiner Piraten-Karriere gefangen und 1401 geköpft. Mit dem Hamburger Bürgermeister Kersten Miles soll er zuvor er einen Handel geschlossen haben: Der Henker sollte diejenigen aus einem Spalier der Piraten verschonen, an denen der Enthauptete noch vorbeilaufen konnte.

Buchstäblich kopflos sei Störtebeker noch an elf Männern vorbeimarschiert, bis er tot zusammenbrach, so die Überlieferung. Das Leben der Männer konnte er trotzdem nicht retten, weil Miles sein Versprechen nicht hielt. Diese und viele andere Legenden ranken sich um das Leben des Piraten, die Festspiele Ralswiek erzählen nun wieder eine neue Geschichte. Moritz Stephan wird ihr ein prägnantes Gesicht geben. Die Proben sollen am 11. Mai beginnen, wenn es denn trotz Corona-Krise möglich ist.