Ein Angebot des medienhaus nord

Holger Ackermann ist Hornissenbeauftragter in Brandenburg Der einzige Hornissenmann

Von Bernd Kluge, dapd | 01.09.2011, 10:38 Uhr

In der alten Weide auf dem sumpfigen Acker nahe Groß Schauen bei Storkow brummt es unaufhörlich. Bei genauerem Hinsehen entdeckt der Spaziergänger Hornissen um einen hohlen Stamm schwirren.

In der alten Weide auf dem sumpfigen Acker nahe Groß Schauen bei Storkow brummt es unaufhörlich. Bei genauerem Hinsehen entdeckt der Spaziergänger Hornissen um einen hohlen Stamm schwirren. Während der Laie auf Abstand geht, steht Holger Ackermann fasziniert davor und beobachtet die großen Insekten geduldig. "Wegen ihrer Größe und des lauten Brummens werden die Tiere als größere Bedrohung empfunden als Wespen. Dabei sind sie viel friedlicher", erklärt der 48-Jährige.

Wäre an den Vorurteilen etwas dran, wonach drei Hornissenstiche einen Menschen töten, hätte Ackermann längst das Zeitliche gesegnet. Denn der Fan der größten europäischen Wespenart wurde in seinem Leben schon an die 60 Mal von Hornissen gestochen. "Ihr Stachel ist groß, der Wirkstoff brennt bis zu 24 Stunden, aber er tötet nicht", erläutert der Frührentner aus Groß Schauen, der seit fünf Jahren ehrenamtlich als einziger Hornissenbeauftragter in Brandenburg unterwegs ist. Der Imker hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vorurteile über die großen Insekten auszuräumen. Wird er doch immer dann gerufen, wenn sich Hornissen in der Nähe des Menschen einnisten. "Vogelhäuschen, Schaltkästen, Jalousien, Schwengelpumpen, nur selten genutzte Filzstiefel dienten schon als Neststandorte", erzählt er.

Wo früher Feuerwehren zum Einsatz kamen, ist heute Ackermann gefragt. Vielfach reicht eine Beratung, um Verständnis für Hornissen zu erzeugen. Oft hilft auch eine Abtrennung mittels Gaze oder Holz. Beim "Verbauen" der Nester, die die Größe von Medizinbällen erreichen können, ist der gelernte Bau- und Möbeltischler erfinderisch. Nur im äußersten Notfall setzt Ackermann ein Nest komplett um. Das Risiko, dass das Hornissenvolk eingeht, sei hoch. "Eine Umsiedlung ist sehr kompliziert. Nur in der Hälfte aller Fälle nehmen die Tiere den neuen Standort an", erzählt er.

Der erfahrene Imker kann nach eigener Ansicht gut einschätzen, wo eine echte Gefährdung der Menschen besteht. Bei Karola und Eckhard Behrendt in Neubrück half eine Beratung. Das Dach ihres Bungalows in einer Kleingartenanlage war wiederholt Domizil der geschützten Hornissen. "Zunächst machten wir uns auch in diesem Jahr keine Gedanken. Aber als das Brummen und Schaben hinter der Wand im Bad immer lauter zu hören war, bekamen wir es mit der Angst", sagt die Hausherrin. Eigentlich sei das Zusammenleben von Mensch und Hornissen unproblematisch, da sie keine Nahrungskonkurrenten seien, sagt der Hornissenmann. Während Wespen aggressiv den menschlichen Kaffeetisch belagern oder lästig am Bierglas nippen, würden sich Hornissen dagegen nicht für kulinarische Genüsse der Menschen interessieren.

Die Hornissenzeit endet in der Regel Mitte bis Ende Oktober, wenn die Tiere mit den ersten Frösten sterben. "Hornissen gehen danach fünf Jahre lang nicht in das alte Nest. Es sollte aber entfernt oder zugebaut werden, bevor Wespen dort einziehen", rät Ackermann. Wenn er tatsächlich ein Nest entfernen muss, bieten ihm sein Imkerschleier und Handschuhe Schutz. Mit einem Staubsauger, dessen Schlauch in einem Kasten mit Sichtfenster endet, fängt Ackermann zunächst die fliegenden Hornissen ein. Das Nest fixiert er mit Heißkleber in einer Art überdimensionaler Nistkasten, transportiert es mindestens fünf Kilometer vom bisherigen Standort weg.

Ideal sind Ersatzlebensräume wie die alte Weide bei Groß Schauen, die Hornissen beste Bedingungen bietet. "Hier gibt es viel Totholz, in dem Insekten leben, und Wasser. Außerdem stören sie hier niemanden", sagt der Hornissenfan, der sich durch zahlreiche Lehrgänge und Weiterbildungen zum Experten qualifiziert hat.