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Frauen in Führungspositionen Der Chefin über die Schulter geschaut

Von Karin Koslik | 11.02.2015, 12:00 Uhr

Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist im Grundgesetz verankert.

Das landesweite Mentoringprogramm „Zukunft  durch  Aufstieg“ soll nun weiteren jungen Frauen dabei helfen, in Führungspositionen hineinzuwachsen. Wir haben eines der „Tandems“ und seine Betreuerin besucht.

„Für mich ist das eine große Chance  dazuzulernen“,  erklärt die   32-Jährige,  „vor  allem  wenn  es  um Konfliktmanagement oder Gesprächsführung geht“. Und: „Das  Programm  hilft  mir auch, Beruf  und Familie  besser  unter  einen Hut  zu  bekommen.“

Ein Problem  habe sie  mit   den Chefs  nicht.  „Wir  arbeiten  sehr entspannt  und harmonisch zusammen.“ Dass  vieles  am Telefon geregelt werden müsse – die beiden Geschäftsführer sitzen in Berlin und Erfurt, wo sie selbst Filialen  des Unternehmens  leiten – tue  dem keinen  Abbruch. Im Gegenteil: Dadurch  müsse  konzentriert gearbeitet  werden.

Wobei die  junge Chefin unumwunden  eingesteht:  Ohne die  Rückendeckung  durch  ihren Lebensgefährten  wäre sie beruflich im letzten Jahr nicht  so  schnell  vorangekommen.  Wenn  sie  sich  zum Beispiel  jetzt  auch  mal abends mit ihrer  Mentorin Daniela  See  trifft   oder beide  gemeinsam Termine   wahrnehmen,  dann kümmert er sich   um die  Kinder. Wichtig ist Anne Maibohm  aber  zu betonen,  dass das  keine Einbahnstraße  ist:  „Wir machen  das  partnerschaftlich.  Würde  nur einer   zurückstecken,  würde  das  nicht  gehen.“

Daniela  See leitet  eines  der  größten  Unternehmen  der  Landeshauptstadt –  als Managing-Direktorin  der Sky Deutschland Service Center  GmbH in  Schwerin trägt  sie die  Verantwortung  für 720  Mitarbeiter. Zwar  hat  die  zierliche  48-Jährige, die  aus  Aschaffenburg  stammt,  Chemie  studiert –  „finanziert habe ich  mir  das  Studium aber,  indem ich  in Servicecentern  gearbeitet habe.“  Die  Branche  ließ  sie  auch  danach nicht  wieder  los. Nach mehreren  anderen  Stationen kam   Daniela  See  schließlich   im Jahr   2000   nach Schwerin,  verantwortete den  Aufbau  des  Service Centers  für  den Bezahlsender  Sky,  das  seitdem  immer  weiter  gewachsen  ist.

„Die Unterstützung,  die  ich bekommen habe,  möchte   ich jetzt  gerne anderen geben“,  erklärt  die Schwerinerin, weshalb sie sich als Mentorin im  Programm  „Zukunft durch Aufstieg“,  aber  auch  beispielsweise  in  der Ausbildung   dualer Studenten  engagiert. Zumal: „Als  Mentorin  lerne  ich selbst  durch  meine  Mentees  noch eine Menge – es ist  also  eine Win-win-Situation.“

Hat  man  es  als  Frau  in leitender  Position  schwerer? Daniela See  findet, dass das  nicht  so  ist.  „Ich bin  von Männern,  mit denen ich zusammengearbeitet habe,  immer  akzeptiert  worden.“  Aber: „Es hilft  schon, die  Unterschiede   zwischen  Männern und Frauen zu  kennen und  weibliche  Stärken  auszuspielen,  wo  es nötig  ist“,  meint sie  augenzwinkernd. Das  gilt  auch  in    beruflichen    und  sozialen  Netzwerken, die  sie  für   unerlässlich  hält –  und  in die  sie  ihren „Schützling“ Anne  Maibohm deshalb  jetzt  auch gerne  einführt.

Die  Vermittelnde: Nicole  Dierker-Refke

Nicole  Dierker-Refkes  Chef  ist  ein Mann.  „Kein  Problem“,  meint  sie, „es  ist   erwiesen,  dass die  beste  Arbeit  von gemischten Teams  gemacht wird – weil sich  die  unterschiedlichen Kompetenzen  ergänzen“.  Dennoch verwendet  die  40-Jährige  momentan  einen  großen Teil  ihrer   Arbeitszeit  beim  BilSE-Institut für Bildung und Forschung in  Schwerin darauf,  Frauen  für   Führungsaufgaben   fit  zu  machen. Als Projektleiterin  im  regionalen Cross-Mentoring-Projekt „Zukunft durch Aufstieg“   begleitet sie  15 Tandems aus  Schwerin und Nordwestmecklenburg –  15  Paare  aus Frauen, die  eine  Führungsposition  anstreben oder gerade  angetreten   haben, und  erfahrenen  Mentoren, die   ihnen    ein  Jahr lang mit  Rat  und Tat zur Seite stehen.

Andere Mentoren  gewinnt  sie   über  berufliche   und soziale  Netzwerke.  „Im Laufe  der Zeit lernt   man   so  viele  Leute   kennen, auf  die  man  bei   Bedarf  auch  immer  wieder  zurückkommen  kann.“ Schließlich  erlebt  das  aus  Mitteln  des   Europäischen Sozialfonds  geförderte  Landesprogramm  aktuell  schon  seine     zweite  Auflage.  „57  Mentees  aus  ganz  Mecklenburg-Vorpommern sind  diesmal dabei“, weiß Dierker-Refke. Nicht jede werde von  einer Frau  begleitet,  aber  jede könne  beruflich   von ihrem Mentor   oder  ihrer  Mentorin profitieren – und   von  dem umfangreichen Weiterbildungsangebot,  das  ebenfalls  zum  Programm  gehört. Im  ersten  Durchgang  seien von  den 49  Teilnehmerinnen übrigens als die  Hälfte tatsächlich  binnen eines Jahres beruflich  aufgestiegen. „Durch   die Begleitung  haben  die  Frauen  gelernt, sich anders  zu   produzieren, schneller  zu  entscheiden  und auf Partner   offener  zuzugehen.“