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Zum Tod von Rudi Assauer Der Architekt des modernen Schalke

Von dpa, sid | 20.10.2022, 09:55 Uhr

Nach dem Tod von Rudi Assauer trauert Fußball-Deutschland um den ehemaligen Manager von Schalke 04

Die Schweigeminute vor dem Anpfiff des Schalker Pokalspiels ging allen unter die Haut - die Nachricht vom Tod Rudi Assauers bewegte ganz Fußball-Deutschland. „Das, was sich Rudi an diesem wichtigen Tag wünschen würde, wäre ein gutes Fußballspiel. Und das will ihm die Schalker Familie geben“, rief Clemens Tönnies, der Aufsichtsratschef vom FC Schalke 04, den geschockten Anhängern kurz vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf über das Stadion-Mikrofon zu.

Die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco setzte das Ansinnen trotz anfänglich gedrückter Stimmung bei den 56 638 Fans in der Veltins-Arena in die Tat um und zog mit einem ungefährdeten 4:1 (1:0)-Sieg ins Viertelfinale ein. Sowohl die Führung (30. Minute) durch das erst 18 Jahre alte Stürmertalent Ahmed Kutucu, einem gebürtigen Gelsenkirchener, als auch die beiden Treffer von Salif Sané (48./87.) sowie das Tor von Mark Uth (53.) feierten die Anhänger ausgelassen. Die ganze Nordkurve schmetterte: „Rudi Assauer, schalalalala, Rudi Assauer, schalalalala!“ - es hätte ihm gefallen.

Der Architekt des modernen Schalke

Der frühere Schalke-Manager war am Mittwoch wenige Stunden zuvor gegen 15.30 Uhr im Alter von 74 Jahren an den Folgen seiner jahrelangen Alzheimer-Erkrankung gestorben. In seiner Wohnung in Herten schlief Assauer in den Armen seiner Tochter Bettina Michel ein. Auch Zwillingsschwester Karin war bei ihrem Bruder. Assauer wäre am 30. April 75 Jahre alt geworden. „Er war eine sehr, sehr große und wichtige Persönlichkeit für Schalke 04. Wir hoffen, dass dies das Pokal-Spiel nicht tangiert“, sagte Tedesco vor Anpfiff dem TV-Sender Sky - und behielt recht.

Die Nachricht vom Tod des beliebten und von den Fans verehrten Ex-Managers hatte zuvor schnell die Runde gemacht in der Veltins-Arena, deren Bau Assauer vorangetrieben hatte. „Ohne Rudi wären wir alle nicht hier. Rudi ist der Architekt des modernen Schalke. Wir alle wussten um seinen Gesundheitszustand. Vielleicht ist es auch, so schwer wie es ist, eine Erlösung für ihn“, sagte Tönnies. „Wir sind tief betroffen und traurig.“

Auch Assauers langjährige Lebensgefährtin Simone Thomalla drückte ihre Trauer aus.„Gute Reise lieber Rudi. Du warst ein ganz besonderer Mensch und du wirst fehlen ...“, schrieb die Schauspielerin auf Instagram, ebenso wie zahlreiche andere Weggefährten Assauers, die der Tod des Ex-Managers getroffen hatte.

Das sagen ehemalige Weggefährten über Rudi Assauer

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Das sagen ehemalige Weggefährten über Rudi Assauer


Clemens Tönnies (Aufsichtsratchef Schalke 04 in der Arena AufSchalke):


„Ohne Rudi wären wir alle heute nicht hier. Er war der Architekt des modernen Schalke. Rudi, wir sind unendlich traurig und werden dich nie vergessen.“


Reinhard Grindel (DFB-Präsident):


„Mit Rudi Assauer verliert der deutsche Fußball eine herausragende Persönlichkeit. Er hat in 307 Bundesliga-Partien als Spieler, als Trainer und vor allem als Manager des FC Schalke 04 viel für den Vereinsfußball in Deutschland bewegt. Mein Beileid gilt besonders der Familie.“


Reinhard Rauball (DFL-Präsident):


„Rudi Assauer war ein Urgestein und eine Identifikationsfigur, über viele Jahre eines der prominentesten Gesichter des deutschen Fußballs. In Dortmund hat er mit der 1966er-Mannschaft des BVB als aktiver Spieler den Europapokal der Pokalsieger gewonnen, auf Schalke hat er als Manager eine Ära geprägt. Unvergessen sind der UEFA-Cup-Sieg 1997 und die so genannte 'Meisterschaft der Herzen'. Einen Mann wie Rudi Assauer wird man im deutschen Fußball nicht vergessen.“


Christian Seifert (DFL-Geschäftsführer):


„Ich hatte das Glück, in meinen ersten Jahren bei der DFL Rudi Assauer persönlich kennenzulernen. Er hatte die Gabe, andere Menschen für sich zu gewinnen - auch deshalb genoss er weit über die Stadtgrenzen von Gelsenkirchen hinaus einen hervorragenden Ruf. Die Nachricht von seinem Tod macht mich sehr traurig.“


Olaf Thon (Schalke-Ikone):


„Es ging ihm zuletzt ja schon schlechter, so dass man leider damit rechnen musste. Schalke verliert mit Rudi einen echten Macher. Ich habe schon mit Huub Stevens gesprochen. Je nachdem, wie die Beerdigung stattfindet, werden natürlich alle Eurofighter dabei sein.“


Klaus Fischer (Schalke-Ikone):


„Das ist ein riesiger Verlust für den FC Schalke 04 und ein großer Schock für mich persönlich. Rudi war der Motor des FC Schalke. Er konnte knallhart sein, doch trotzdem mochten ihn die Menschen. In dieser Situation geht es nun nicht um die Sport-Größe Assauer, sondern um den Menschen.“


Benedikt Höwedes (langjähriger Schalke-Profi und Weltmeister von 2014):


„Schalke, der Ruhrpott, die Bundesliga und der Fußball werden dich vermissen. Glück auf und Ruhe in Frieden, Manager, Macher und Kumpel!“


Domenico Tedesco (Trainer Schalke 04):


„Wir wissen alle, was Rudi Assauer für den Verein bedeutet. Er ist eine der größten Persönlichkeiten für ganz Schalke.“


Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund):


„Rudi Assauer war Mr. Schalke 04, eine echte Persönlichkeit. Man konnte sich an ihm reiben, aber auch sehr viel Spaß mit ihm haben. Seinen wohl größten Erfolg als Spieler hat er mit dem Europapokal-Gewinn von Borussia Dortmund 1966 gefeiert. Rudi war ein großes Vorbild und ein echter Typ - weil er das Herz immer auf der Zunge getragen hat.“


Friedhelm Funkel (Trainer Fortuna Düsseldorf):


„Rudi ist ein Stück Fußball-Geschichte. Er war ein Mann, der viel bewegt hat.“


Ralf Rangnick (Trainer RB Leipzig):


„Ein wunderbarer Mensch, der viel zu früh erkrankt ist. Im Moment sollten die Gedanken vor allem bei der Familie sein. Wenn man weiß, wie es in den letzten Jahren um ihn bestellt war, ist es für ihn und seine Seele vielleicht auch eine Erleichterung, gehen zu dürfen. Am Ende ist es vor allem für die Familie eine sehr, sehr traurige Nachricht. Und für den Fußball sowieso.“


Bruno Labbadia (Trainer VfL Wolfsburg):


„Er hat die Bundesliga mit geprägt. Er war eine schillernde Figur. Es ist sicherlich traurig, wenn du so krank wirst. Mein Beileid auch an die Familie. Die Tochter hat ihn sehr gepflegt. Ich wünsche der Familie alles Gute.“


Reiner Calmund (Ex-Manager von Bayer Leverkusen):


„Aufgrund der schweren Erkrankung ist es eine Erlösung für Rudi, aber auch ein schwerer Verlust für Schalke und den deutschen Fußball. Rudi Assauer war Energie pur und eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs der vergangenen fünf Jahrzehnte - als Spieler, als Manager und vor allen Dingen als Architekt des neuen FC Schalke. Sein Andenken ist mit der Arena-auf-Schalke buchstäblich in Stein gemeißelt.“

 „Es ist kein leichter Abend für alle“ - so leitete Schalkes Hallensprecher Dirk Oberschulte-Beckmann kurz vor dem Anpfiff um 20.45 Uhr ein denkwürdiges Pokalspiel ein. Assauer zu Ehren verzichteten die Königsblauen auf das übliche Vorprogramm. Das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich dich“ und das Steigerlied wurden aber inbrünstig angestimmt. Das Schalke-Team und auch der Gegner aus dem Rheinland liefen mit Trauerflor auf. Zudem wurde eine Schweigeminute einlegt und auf dem Videowürfel erschien das Konterfei von Assauer - natürlich mit dicker Zigarre. Sogar im fernen Berlin gedachten die Teams von Hertha BSC und Bayern München im parallel laufenden Pokalspiel der verstorbenen Schalke-Legende.

Der Fußball beherrschte Assauers Leben, bis zu seiner Erkrankung - und auch noch danach war er bis vor gut einem Jahr hier und da zu Gast bei den Heimspielen der Knappen, solange es sein Gesundheitszustand zuließ. In den letzten Monate war er schon auf den Rollstuhl angewiesen, wurde daheim gepflegt von seiner Tochter Bettina Michel und seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner.

Nach Jahren bei der SpVgg Herten war Assauer als Spieler 1964 zu Borussia Dortmund gewechselt. Mit dem BVB gewann er auf Anhieb den DFB-Pokal und 1966 an der Seite von Lothar Emmerich, Aki Schmidt und Reinhard „Stan“ Libuda den Europapokal der Pokalsieger gegen den hochfavorisierten FC Liverpool. Es war der erste Europacupsieg einer deutschen Clubmannschaft.119 Bundesligaspiele bestritt Abwehrspieler Assauer für die Borussia, von 1970 bis 1976 kamen 188 für Werder Bremen hinzu, ehe er mit 32 Jahren seine aktive Laufbahn beendete. Und der damalige Werder-Chef Franz Böhmert ihn zum jüngsten Bundesliga-Manager machte.

Überraschend wechselte Assauer 1981 zu Schalke. Es folgten fünf wechselvolle Jahre, ehe er nach Differenzen mit dem damaligen Präsidenten Hans-Joachim Fenne den Dienst quittieren musste. Danach war er im Immobilienbereich und auch als Manager beim damaligen Zweitligisten VfB Oldenburg tätig.1993 kehrte Assauer zurück, blieb bis 2006 und sorgte für den Schalker Höhenflug. In der Saison 1995/1996 schaffte das Team mit Trainer Jörg Berger als Bundesliga-Dritter den Einzug in den UEFA-Pokal.

Eurofighter wollen "etwas organisieren"

Doch Assauer überzeugte den damals unbekannten Trainer Huub Stevens, von Kerkrade nach Schalke zu wechseln. Mit dem Niederländer eroberten die Eurofighter um Olaf Thon und Marc Wilmots die europäischen Stadien. „Der Huub hat mich angerufen. Die Eurofighter waren ja Assauers Mannschaft und wir möchten gerne für die Beerdigung etwas organisieren“, sagte Thon. "Es ist aber derzeit noch nicht der Moment, über solche Ideen öffentlich zu reden“, ergänzte Sportvorstand Christian Heidel am Freitag. Zurzeit gibt es Gespräche mit der Familie des am Mittwoch im Alter von 74 Jahren verstorbenen Assauer, der jahrelang an Alzheimer litt.

Die Beisetzung wird nur im engsten Familienkreis stattfinden. Nach dpa-Informationen plant der Fußball-Bundesligist eine Trauerfeier in der Veltins-Arena. So erhalten Fans, Freunde und Wegbegleiter die Möglichkeit, sich von dem Ex-Manager zu verabschieden. Von diesem Samstag an bis einschließlich 15. Februar liegt zudem im Eingang des „LaOla-Clubs“ in der Arena ein Kondolenzbuch aus. Auch in einem Online-Kondolenzbuch auf der Club-Homepage können die Anhänger Assauer „virtuell die letzte Ehre erweisen“, heißt es.

Der Schalke-Höhenflug endete mit dem legendären UEFA-Cup-Sieg bei Inter Mailand am 21. Mai 1997 - bis heute der größte Erfolg der Clubgeschichte.

Fast hätte Schalke auch die achte deutsche Meisterschaft gewonnen, doch die Bayern schnappten den Königsblauen 2001 den Titel in der Nachspielzeit in Hamburg noch weg. Eine Woche nach dem Tiefpunkt gewann das Team den DFB-Pokal, im Jahr darauf konnten die Königsblauen den Triumph in Berlin wiederholen. Als Vermächtnis hinterließ Assauer auch sein „Baby“, die Schalke-Arena.

Das seinerzeit modernste Stadion mit herausfahrbarem Rasen und schließbarem Dach wurde im August 2001 eingeweiht.

Mit dem Wechsel von Stevens zur Hertha im Sommer 2002 neigte sich die erfolgreiche Zeit dem Ende entgegen. Später kam es zum Bruch mit Aufsichtsratschef Tönnies und den anderen Vorstandsmitgliedern. Mit Assauers Tod endete nun eine große Ära.

Eine, der auch der "Kicker" ein kleines Filmchen widmete:

Zur Person:

Geboren am 30. April 1944 in Sulzbach-Altenwald - Verstorben am 6. Februar 2019 im Alter von 74 Jahren. - Zweimal verheiratet, zwei Kinder (Bettina Michel/53, Katy/48). Stationen als Spieler: 1963 bis 1964 SpVgg Herten, 1964 bis 1970 Borussia Dortmund, 1970 bis 1976 Werder Bremen. - Erfolge als Spieler: Europapokal der Pokalsieger 1966, DFB-Pokalsieger 1965, deutscher Vizemeister 1966. - 307 Bundesligaspiele, 12 Tore. Stationen als Manager: 1976 bis 1981 Werder Bremen, 1981 bis 1986 Schalke 04, 1990 bis 1993 VfB Oldenburg, 1993 bis 2006 Schalke 04. - Erfolge als Manager: UEFA-Pokal-Sieger 1997, DFB-Pokal-Sieger 2001 und 2002, Vizemeister 2001.