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Mord aus "niedrigen Beweggründen" "Demonstrative Hinrichtung": Mann nach Mord an Ex-Partnerin verurteilt

Von Tobias Bosse | 30.01.2019, 16:17 Uhr

Ein 38-Jähriger wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seiner Ex-Freundin in den Kopf schoss.

Am 28. Mai 2018 feierte eine junge Frau mit ihrer Familie in Salzgitter den gewonnenen Rechtsstreit um das Sorgerecht für ihre vier Kinder auf dem Rasen vor einem Mehrfamilienhaus. Kurz darauf soll der ehemalige Lebensgefährte der 30-jährigen Mutter, der auch Vater der Kinder ist, vorgefahren sein und seiner Ex vor den Augen der vier Kinder in den Kopf geschossen haben.

Ein Schuss habe zudem die Schwester der Getöteten in die Hüfte getroffen, ein weiteres Projektil verfehlte den Kopf des Großvaters knapp. "Der Teufel hat die Mutter getötet", soll eines der Kinder voller Verzweiflung gesagt haben, so die Anklage der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Vorzeitige Entlassung ausgeschlossen

Am Mittwochmorgen verurteilte das Landgericht Braunschweig den 38-jährigen Angeklagten aus Westerkappeln nun zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes mit Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld. Somit ist eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren nicht möglich, selbst bei günstiger Prognose. Als Mordmerkmal wurden "niedrige Beweggründe" attestiert.

Als Motiv wurde die Abneigung gegen die Lebensführung der Frau in der Urteilsbegründung von Richter Ralf-Michael Polomski genannt. Demnach habe der Streit zwischen dem Opfer und ihrem Mörder bereits länger angedauert. So soll er ihr unter anderem vorgeworfen haben, kein Kopftuch getragen und ein Verhältnis mit dem Schwager gehabt zu haben.

"Das wirst du bereuen"

Aus Angst vor ihrem Ex-Freund zog die 30-Jährige in ein Frauenhaus. Zuvor habe er sie oft verprügelt, auch während der Schwangerschaft. Zudem habe er ihr gedroht: "Dein Leben ist nicht mehr als 20 Cent für eine Kugel wert". Nach dem erfolglosen Versuch des Mannes, sich beim Amtsgericht im nordrheinwestfälischen Tecklenburg das Sorgerecht für die Kinder übertragen zu lassen, habe er bei Verlassen des Saales gedroht: "Das wirst Du bereuen!"

Das Gericht ist der Auffassung, dass der Täter sich durch diese Sorgerechts-Entscheidung dazu entschloss, die Mutter seiner Kinder zu töten, weil er nicht akzeptieren konnte, dass die Kinder bei der Frau leben sollten. Kurz nach der Verhandlung habe er sich ein Auto angemietet und sei mit einem Revolver sowie über 30 Patronen nach Salzgitter gefahren. Dort angekommen, soll er direkt auf die Familie gezielt und gerufen haben: "Du hast es so gewollt."

Zunächst schoss er auf die Schwester, die sich auf ihn stürzte. Dabei verletzte er die Frau zwar schwer, das Gericht konnte jedoch hier keinen Tötungsvorsatz feststellen. Anschließend feuerte er seine Waffe aus kurzer Distanz auf seine Ex-Freundin ab, die dabei einen Schädeldurchschuss erlitt. Der Mann aus Westerkappeln rannte daraufhin zurück zum Auto, feuerte noch einmal auf den Großvater des Opfers, der ihn verfolgte – verfehlte ihn jedoch.

"Der BGH nennt das absoluten Vernichtungswillen"

Von Salzgitter aus sei der Mann zunächst nach Bremen geflohen und am nächsten Tag zurück nach Westerkappeln gefahren, wo er schließlich festgenommen wurde. Die Tatwaffe wurde im Handschuhfach gefunden.

Für das Gericht besteht kein Zweifel daran, dass die Tat vorsätzlich geschah. Es habe mehrfache Drohungen gegeben. Zudem habe er auf einer 200 Kilometer lange Fahrt eine Waffe mitgeführt. Und zwar nicht zum eigenen Schutz, weil keine Gefahr ersichtlich gewesen sei. "Der Bundesgerichtshof nennt das einen absoluten Vernichtungswillen", sagte Richter Polomski.

Das Mordmerkmal der "niedrigen Beweggründe" ergebe sich laut Gericht aus einem "krassen Missverhältnis zwischen Anlass und Tat". Es sei eine "demonstrative Hinrichtung" gewesen, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Denn die Frau sei sogar mit einem Umgangsrecht einverstanden gewesen und der Mann hätte seine Kinder zwei Wochen später wiedersehen können.

Familie bleibt untröstlich

Der Angeklagte blieb über den gesamten Prozess emotionslos und reagiert lediglich immer wieder kopfschüttelnd und lächelnd auf Vorwürfe. Auch das Urteil nahm er nahezu regungslos zur Kenntnis. Mit dem Schuldspruch folgte das Gericht im Wesentlichen den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenkläger.

Für die Familie des Opfers ist aber auch dieses harte Urteil natürlich keine Wiedergutmachung, wie Martin Voß, Anwalt der Opferfamilie, aus dem Familienkreis übermittelt: "Niemand kann uns diesen so geliebten Menschen zurückgeben. Daran ändert auch dieses Urteil nichts." Für Voß ist der Urteilsspruch die einzig logische Konsequenz: "Ein milderes Urteil wäre nicht nur falsch, sondern hätte auch eine fatale Signalwirkung", sagt der Braunschweiger Rechtsanwalt.