Ein Angebot des medienhaus nord

Übersicht Dem Dorsch in der Ostsee geht es besser - Aber zu früh für Entwarnung

Von Thomas Borchert, dpa | 27.10.2008, 02:12 Uhr

Kopenhagen/Stockholm/Hamburg - Nach immer neuen Alarmrufen über das bedrohliche Schrumpfen der Dorsch-Bestände in der Ostsee gibt es wieder Lichtblicke.

Im östlichen Teil des Gewässers ist die Zahl der gut schmeckenden Meeres-Raubtiere auf den höchsten Stand innerhalb der letzten zehn Jahre gestiegen. Nach entsprechenden Bestandsschätzungen des Kopenhagener Meeresforschungsrates ICES entscheiden die EU-Fischereiminister Anfang der Woche über eine Empfehlung der EU-Kommission, die Fangquoten wieder um 15 Prozent anzuheben. Aber Wissenschaftler, die den Wiederanstieg der Bestände untersucht haben, warnen.

„Ein ähnlicher Anstieg Anfang der 90er Jahre wurde durch unverantwortliche Fänge gleich wieder auf Null reduziert“, meint der Meeres-Ökologe Olle Hjerne von der Universität Stockholm. Die Hamburger EU-Fischereiexpertin der Umweltorganisation WWF, Karoline Schacht, hält die Empfehlung der Brüsseler Kommission zwar für akzeptabel, aber „eigentlich schon nicht mehr richtig vorsichtig“: „Man muss diesen Bestand extrem vorsichtig behandeln. Denn er hat sich ja erst auf einem sehr niedrigen Ausgangsniveau eingependelt.“

Dennoch sind sich auch Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler im Grundsatz einig, dass unter anderem eine harte Linie der Europäischen Union gegen massive illegale Dorsch-Fänge polnischer Fischer zusammen mit den generell reduzierten Quoten Früchte tragen. Hinzugekommen sind vom Menschen nicht beeinflusste Umweltfaktoren, die für einige „geburtenstarke Jahrgänge“ beim Dorsch gesorgt haben.

Für Verbraucher in Fischgeschäften und auch Restaurants bedeutet das aber alles andere als Entwarnung. In der westlichen Ostsee selbst geht es den ohnehin dünnen Dorsch-Beständen so schlecht, dass die Kommission eine Senkung der Fangquoten um 15 Prozent vorschlägt.

Das findet die WWF-Expertin Schacht „nicht nachhaltig und noch zu wenig“. Ihr Kollege Svante Axelsson vom schwedischen Naturschutzverband hält auch die von der Kommission empfohlene Anhebung um 15 Prozent im östlichen Teil für zu riskant: „Man berücksichtigt dabei nicht die illegalen Fänge, deren wirklichen Umfang niemand kennt.“

In Schweden hat sich, anders als beim Nachbarn Dänemark, das Bewusstsein vom Dorsch als bedrohter Art weit herumgesprochen. Immer mehr Restaurants und bekannte Köche werben geradezu damit, dass sie den als „rote Art“ und damit bedroht eingestuften Fisch komplett vom Speiseplan genommen haben.

Beim Kabeljau, dem Artgenossen des Dorsches außerhalb der Ostsee, ist die Lage ebenfalls unterschiedlich: Während die Bestände in der Nordsee darniederliegen, gibt es vor Island, in der Barentssee und vor Norwegens Küste keine Probleme.