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Mecklenburg-Vorpommern Debatte um Azubiticket: CDU unterstützt Forderung der Wirtschaft

Von Frank Pfaff | 08.01.2020, 15:30 Uhr

Die Fahrt zur Berufsschule oder zum Ausbildungsbetrieb verschlingt bei vielen Lehrlingen einen beträchtlichen Teil ihres Lohns. Entlastung soll kostenfreies Azubiticket bringen.

Im Ringen um ein kostenfreies Azubiticket für Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern wächst der Druck auf die zuständigen SPD-geführten Ministerien.

Die schon seit langem von Handwerkskammern und Unternehmerverbänden erhobene Forderung nach Freifahrten mit Bus und Bahn zu Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben wird auch von der Regierungspartei CDU mitgetragen. „Der stiefmütterliche Umgang mit der beruflichen Bildung muss beendet werden - zum Beispiel durch Einführung eines kostenfreien Azubitickets“, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller.

Andere Bundesländer gehen voran

Er sehe mit Sorge, dass andere Bundesländer bei der Einführung eines solchen Tickets „deutlich bemühter“ seien als Mecklenburg-Vorpommern.

Insbesondere in Grenzregionen zu anderen Bundesländern könne es somit zu Sogwirkungen kommen. „Findet die mittelständisch geprägte Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern nicht genügend Auszubildende, gefährdet das langfristig unseren Wohlstand“, warnte Waldmüller.

Weiterlesen: Handwerkskammer fordert kostenfreies Azubi-Ticket

Erst am Dienstag hatte Arbeitgeber-Präsident Thomas Lambusch die SPD ermahnt, beim Azubiticket endlich die Bremse zu lösen und gleichzeitig finanzielle Unterstützung der Wirtschaft angeboten. „Für unsere Unternehmen ist dies eine dringenden Angelegenheit und wir verschließen uns nicht eines eigenen Beitrags“, sagte Labusch.

Angekündigte Studie fehlt

Er beklagte, dass eine für November 2019 von der Regierung angekündigte Studie zum öffentlichen Nahverkehr noch immer nicht vorliege. „Wir können uns ein weiter so nicht leisten“, betonte der Arbeitgeber-Präsident unter Hinweis auf den Nachwuchsbedarf in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft.

Im Vorjahr waren erneut zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben, insbesondere in Gastronomie und Handel, aber auch in Handwerk und Industrie.

Bislang gewährt das Land lediglich auf Antrag Fahrtkostenzuschüsse für Auszubildende. Nach Ansicht der oppositionellen Linken verpufft diese Förderung aber, weil die große Mehrzahl der rund 33 000 Lehrlinge im Land leer ausgehe.

Sie müssten die Fahrten zu ihren Ausbildungsplätzen und zur Berufsschule selbst tragen, hatte Fraktionschefin Simone Oldenburg erklärt. Ihre Partei verlangt ebenfalls ein landesweit gültiges kostenfreies Azubiticket.

Noch im Juli hatte das SPD-geführte Bildungsministerium einer solchen Freifahrt eine Absage erteilt. Gefordert sei das Ticket schnell, aber es werde nicht erklärt, wie es finanziert werden solle, sagte eine Sprecherin. Lambusch machte bereits einen Vorschlag: „Geld aus dem Strategiefonds wäre beim Azubiticket gut angelegt“, sagte er.

Überschüsse als Finanzierung

Der von SPD und CDU aufgelegte Fonds speist sich aus Überschüssen des Landes und wird bislang unter anderem zur Unterstützung kommunaler Vorhaben und Initiativen eingesetzt. Über die Mittelverwendung entscheiden SPD und CDU mit ihrer Mehrheit im Finanzausschuss des Landtags.

Die Opposition kritisiert den Fonds deshalb auch als dauerhafte Wahlkampf-Hilfe für die Regierungsparteien. Allein aus den Überschüssen des Jahres 2018 flossen 50 Millionen Euro in den Fonds.