Ein Angebot des medienhaus nord

Maler Friedrich-Wilhelm Fretwurst in der Schweriner Galerie Berger Das Meer in den Augen

Von Brit Bellmann; | 19.10.2011, 11:52 Uhr

Zu den Sommergästen im Staatlichen Museum Schwerin hat sich in der Gallery Berger ein später Gast aus dem Norden hinzugesellt: Friedrich Wilhelm Fretwurst.

Zu den Sommergästen im Staatlichen Museum Schwerin hat sich in der Gallery Berger ein später Gast aus dem Norden hinzugesellt: der 1936 in Althagen auf dem Fischland geborene Friedrich Wilhelm Fretwurst.

Seit 1997 lebt das Malerehepaar Fretwurst-Colberg nach vielen prägenden Berliner Jahren wieder auf dem Fischland. Die Ostsee bildet den täglich erlebten Hintergrund und die immerwährende künstlerische Herausforderung. Doch es ist nicht nur die heimatliche Landschaft, die sich in den Bildwelten von Friedrich Wilhelm Fretwurst findet. Er legt weite Wege zurück, nach Italien, in die Türkei, nach Afrika, um auch hier die Motive zu finden, die er am meisten liebt: die Küstenorte, das Meer, Schiffe, die Kontaktzone von Gebautem und Natur.

Mit wissenden, verstehenden und speichernden Augen schaut er und bannt die Eindrücke unmittelbar mit Tusche und Feder auf kleinformatiges Papier. Das große Konzept, die Umsetzung in Farbe auf die mehrschichtig vorbereitete Leinwand oder in graphischer Technik geschehen im Atelier in Dändorf - eine Herangehensweise, die ihn von den Pleinairmalern in den Künstlerkolonien unterscheidet und mit den Romantikern verbindet.

Er lädt die Materie im Verhältnis von Massen und Linien zueinander mit einer Kraft auf, die sich auf den Betrachter überträgt und auch in der Grafik spürbar wird. Scheinbar Unbedeutendes kann wegfallen oder einen plötzlich wesentlich werdenden Akzent setzen: irgendein komisches Ding, dessen Funktion sich nicht gleich erschließt. Der Bildausschnitt lässt den Betrachter fast unvermittelt ein, so, als fände man sich plötzlich mitten im Geschehen: einem windigen Tag am Strand, den Vorbereitungen zu einer Regatta, auf dem Vorschiff einer Fähre. Und mittendrin tun sich wieder Einblicke, Durchblicke, Überblicke auf. Friedrich Wilhelm Fretwurst schafft aus der Mitte, nicht von außen und nicht von fern.

Bis hin zur Abstraktion kann die Wiedergabe des Gesehenen gehen wie bei dem Werk "Septemberstrand", dessen kühles Leuchten von der Farbe ausgeht. In den mehrschichtigen, lebendigen Strukturen lässt sich Übermaltes oft erahnen. Farbklänge finden sich, die aus langer Erfahrung, gereiftem Wissen um ihre Wirkung und nicht zuletzt Abenteuerlust und Mut entstehen. Die Lust am Sehen steigert sich zum Genuss, das Gesehene wird gesteigert zum Werk. Friedrich Wilhelm Fretwurst hat zwischen den Polen Licht und Farbe, Linie und Kontur eine maßstabsetzende Malkultur entwickelt.

Der Mensch positioniert sich nicht immer raumgreifend wie im "Café Scarlatti" oder bei den drei Rückenfiguren vor der offenen See. Oft ist er nur unscheinbar wie ein Stück Treibholz oder wie ein Farbfleck. Doch er definiert die Größe des umgebenden Raumes. Er zeigt uns, wie groß das Schiff ist, auf dem wir da stehen, wie weit der Strand, wie schmal ein begehbarer Streifen im Wasser.

Ein Rundgang durch die Ausstellung ist anregend und erholsam wie ein Strandspaziergang. Mit Friedrich Wilhelm Fretwurst hat die Gallery Berger in der Reihe der dort ausgestellten Künstler einen hochrangigen Akzent gesetzt.

Nur noch bis zum 21. Oktober ist die Ausstellung "Friedrich Wilhelm Fretwurst - Malerei und Grafik" von 10.30 bis 18 geöffnet.