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Übersicht „Das hier ist keine Geisterbahn“

Von Thomas Volgmann | 25.09.2009, 12:53 Uhr

Herr Wenzel, was wollen Sie mit der Sanierung des Bunkers und mit den Führungen erreichen?Wenzel: Hier findet Geschichte zum Anfassen statt.

Durch dieses anschauliche Beispiel soll Weltgeschichte erlebbar gemacht werden. Ich will die Besucher sensibilisieren für eine Zeit des Wettrüstens und des Kalten Krieges. Mein Ziel ist es, Nachdenklichkeit zu schaffen.

Welche Reaktionen von Besuchern erleben Sie?
Wenzel:
Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. In der Regel bekomme ich nach meinen Führungen Applaus. Viele begreifen den Bunker als das, was er ist, als ein als Mahnmal gegen Krieg und Wettrüsten und als Stätte der politischen Bildung. Es gibt aber auch manchmal Führungen, die funktionieren nicht, weil die Erwartungshaltung eine andere war. Das hier ist keine Geisterbahn.

Sie inszenieren einen fiktiven Atomschlag an einem authentischen Ort. Das ist umstritten. Warum diese Inszenierung?
Wenzel:
Ich habe sehr lange überlegt, ob wir diese Inszenierung machen. Letztlich geht es mir darum, Weltgeschichte nachempfindbar zu machen. Der Bunker selbst ist mit seinen Betonbauten und Aggregaten für Besucher, die mit einer Erwartungshaltung kommen, die durch Klischees geprägt ist, relativ unspektakulär. Für diese Gäste darf ein solches Spezialbauwerk nicht enttäuschend wirken. Wenn wir Besucher fesseln und ihnen unser Anliegen nahe bringen wollen, bedarf es einer Inszenierung, die ihre Sinne und ihre Fantasie anspricht.

Wie geht es weiter? Was für Pläne haben Sie?
Wenzel:
Ich habe noch unglaublich viele Wünsche. Zuerst muss ich die Ausstellungen in den Hochbauten weiter entwickeln. Es gibt an der Ostsee viele Stammgäste, die uns immer mal wieder besuchen. Denen will ich Neues bieten. Dann will ich Schulen die Möglichkeit geben, hier Projekttage und Projektwochen durchzuführen. Dazu will ich ein kleines Jugendgästehaus einrichten.
Die Idee, der Bunker als Stätte der politischen Bildung, muss weiterentwickelt werden. Stillstand darf es nicht geben.
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