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Fisch-Wirtschaft Das ganze Jahr über Zander aus Hohen Wangelin

Von Birgit Sander | 06.12.2016, 21:00 Uhr

Forschern ist es gelungen, dass sich die Fische durch die Simulation von Jahreszeiten zweimal reproduzieren.

Zander in Aquakulturanlagen können sich bei Simulation der Jahreszeiten das ganze Jahr über fortpflanzen. Am Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Hohen Wangelin (Mecklenburgische Seenplatte) ist es 2016 erstmals gelungen, Nachwuchs an sechs Terminen im Jahr zu erzeugen, wie das Agrarministerium am Dienstag mitteilte. Um schnell zu wachsen, brauchen die Fische das ganze Jahr über sommerliche Bedingungen, erläuterte Projektleiter Gregor Schmidt. Um zur Fortpflanzung in die natürliche hormonelle Stimmung zu gelangen, sind aber auch die anderen Jahreszeiten nötig.

Wenn die Zander (Sander lucioperca) zwei Jahre lang im Warmen aufgezogen wurden und 1,5 bis 2 Kilogramm wiegen, wird ausgesuchten Tieren in den Becken Herbst und Winter simuliert. Wassertemperatur, Tageslänge und Lichtintensität würden verringert, sagte Schmidt.

Steige die Wassertemperatur wieder an, laichen die Tiere natürlich ab. Ein Weibchen lege pro Kilogramm Körpergewicht 50 000 bis 100 000 Eier auf ein Nest - bewährt haben sich dafür Kokosmatten. Die vom Männchen befruchteten Eier werden laut Schmidt unter geschützten Bedingungen erbrütet, und nach drei Tagen schlüpfen die durchsichtigen Zanderlarven. Innerhalb von 15 bis 18 Monaten wächst aus einer 0,5 Milligramm leichten Larve ein Speisefisch von einem Kilo Gewicht heran.

Ein Reproduktionsprozess gelingt den Forschern derzeit in knapp fünf Monaten. Mit der Reinigung und dem Neubesatz der Becken seien zwei Durchgänge pro System und Jahr möglich. Insgesamt werden in Hohen Wangelin drei temperierbare Reproduktionsanlagen betrieben. So können alle zwei Monate junge Zander in die Mast und später als Speisefische in den Verkauf gehen. „Damit ist uns in diesem Jahr ein weiterer Schritt für die erfolgreiche Etablierung einer Zanderaquakultur in Mecklenburg-Vorpommern gelungen“, kommentierte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Die Anlage der Landesforschungsanstalt produziert pro Jahr etwa acht Tonnen Speisezander und bis zu 15 000 Satzzander für andere Betriebe.