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Wildunfälle Das beste Patent: Runter vom Gas

Von Franca Niendorf | 08.11.2012, 11:53 Uhr

Tempo runter: Knapp jeder zweite Unfall der Region ist ein Wildunfall. So die Bilanz der Polizeiinspektion Ludwigslust. Allein in der Nacht zu Mittwoch hat es im Landkreis 14-mal mit einem Tier gekracht.

Tempo runter: Knapp jeder zweite Unfall der Region ist ein Wildunfall. So die Bilanz der Polizeiinspektion Ludwigslust. Allein in der Nacht zu Mittwoch hat es im Landkreis 14-mal mit einem Tier gekracht. Sechsmal allein in der Dämmerung zwischen 17 und 18 Uhr. "Spitzenreiter" ist das Hagenower Polizeirevier. Von 1460 Wildunfällen im ersten Halbjahr 2012 sind 283 in und um Hagenow passiert. Dicht gefolgt von Boizenburg mit 263. Da helfen auch Tempolimits, Warnschilder und Wild-Abschreckversuche wie Reflektionsbänder an der B 321 kaum etwas.

"Wildunfälle wird es immer geben", sagt Forstamtsleiter Christof Darsow. "Die Menschen haben bestehende Territorien mit Autobahnen und Straßen durchschnitten." Die Instinkte der Tiere aber bleiben. Vom Sommer bis in den Spätherbst hinein sei Brunftzeit, so Darsow. Aktuell ziehe das Damwild verstärkt durch die Reviere, weshalb auch tagsüber mit Wildwechsel zu rechnen sei.

In seinem Revier Radelübbe gibt es zwei Bereiche, in denen es regelmäßig kritisch wird - die B 321 zwischen Bandenitz und Hagenow und die L 05 zwischen Püttelkow und Boddin. Das hat eine Auswertung der Verkehrsunfallkommission des Landkreises vor einigen Jahren ergeben. Das Gremium überprüft regelmäßig Gefahrenschwerpunkte und erarbeitet gemeinsam mit Polizei, Forstämtern und Jägern Strategien. Auch die Anpassung der Abschusspläne gehört dazu. Das Wild von den Straßen fern zu halten, ist eine andere Variante.

Aluminium-Reste an der B 321 zeugen noch von einem Versuch im Radelübber Revier. "Die Tiere haben am Anfang noch auf die Reflektion reagiert", sagt Revierförster Matthias Fiedelmann. "Doch sie lernen dazu und passieren die Straße wieder." Er beschäftigt sich deshalb gerade mit Studien aus anderen Regionen: Duftzäune, Reflektionselemente, akustische Reize. Varianten, die viel Geld kosten würden, so die Forstleute. Selbst bei der einfachen Methode mit den Aluminium-Bändern sei mit mindestens 3000 Euro zu rechnen, wenn sie nochmal erneuert werden sollte. Geld, das andererseits gut investiert wäre, wenn es denn das Wild tatsächlich abschreckt, so Fiedelmann.

Ein Tempolimit an dieser Stelle könnte viel mehr bringen, schätzt Kollege Christof Darsow. Das war nach dem Treffen mit der Verkehrsunfallkommission auch Thema, wurde dann aber doch nicht umgesetzt. Stattdessen stehen Warnschilder am Straßenrand.

Dennoch: Etwa zehnmal im Jahr kracht es auf diesem kurzen Abschnitt nahe der Autobahn 24 mit einem Wildtier, schätzt Darsow. Zum Teil mit schwerem Ausgang. "Die technischen Mittel wirken eben nur begrenzt." Sie könnten nur unterstützen. "Der Rest liegt an den Autofahrern. Viele halten sich nicht einmal an die Höchstgeschwindigkeit." 100 Kilometer pro Stunde sind dort zugelassen. Zu den gefährlichen Zeiten morgens und in der Dämmerung immer noch zu schnell, sagt der Forstamtsleiter.

Und auch die Polizei rät zur Vorsicht. Sie appelliert: vorausschauend und angepasst fahren, wo Warnhinweise stehen. Dort seien die größten Gefahrenpotenziale ermittelt worden, betont Pressesprecher Klaus Wiechmann. Wo 100 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, könne man auch langsamer fahren, um Wildunfälle zu verhindern oder deren Folgen zu entschärfen. Ganz wichtig sei: Nicht ausweichen, wenn ein Tier auf die Straße läuft, und bremsen.