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Schulungsprogramm für junge verurteilte Verkehrssünder Damit es nicht gegen den Baum geht

Von Harald Schulz | 17.10.2011, 07:26 Uhr

Schicksalsschläge können Menschen aus der sozialen Bahn werfen, aber auch neue Lebenskräfte wecken: Karin Rühlicke hat mit dem Verkehrstod ihres Sohnes solch einen Einschnitt in ihr "heiles Leben" erfahren müssen.

Schicksalsschläge können Menschen aus der sozialen Bahn werfen, aber auch neue Lebenskräfte wecken: Karin Rühlicke von der Kreisverkehrswacht Ludwigslust hat mit dem Verkehrstod ihres Sohnes solch einen Einschnitt in ihr "heiles Leben" erfahren müssen. Sie hat seelische Narben zurückbehalten, jedoch auch die Kraft geschöpft, junge Verkehrssünder zum Umdenken zu bewegen. Seit über fünf Jahren schon schult die 61-jährige ausgebildete Pädagogin der Kreisverkehrswacht nach einem von ihr entwickelten Programm Jugendliche und junge Erwachsene, denen die Teilnahme an solch einem Schulungsseminar vom Amtsgericht aufgebrummt wurde.

Die wenigsten Verkehrssünder sind uneinsichtig oder aggressiv

"Die meisten der zwischen 15 und 24 Jahre alten, zur Schulung verurteilten Sünder tasten sich vorsichtig, fast schon behutsam in den Schulungstag", berichtet Rühlicke. "Die wenigsten Verkehrssünder sind uneinsichtig oder aggressiv. Es spielt für mich jedoch keine Rolle, welche Einstellung sie an den Tag legen. Ich erkläre ihnen gleich in den ersten drei Minuten meine Erwartungen; auf den Punkt gebracht sind es Ehrlichkeit, Disziplin und das Handy ausgeschaltet. Ich lasse mir die Butter nicht vom Brot nehmen!" Karin Rühlicke hat es in einem Jahr mit knapp 100 durch Delikte im Straßenverkehr verurteilten Personen zu tun. Ihrer Einschätzung zufolge liege das Verhältnis bei einer 80-prozentigen Dominanz des maskulinen Geschlechts. Das am häufigsten vorkommende Vergehen sei Fahren ohne Fahrerlaubnis, dann folgen Drogenkonsum im Straßenverkehr, zu schnelles Fahren oder gar tödliche Unfallfolgen von Mitgefahrenen durch zu schnelles Fahren.

Im Gespräch mit Karin Rühlicke verdeutlicht sich das Bild einer besonnenen Autofahrerin, Mutter und Beraterin wie Mahnerin, die anderen Menschen ein Leid, wie sie es am eigenen Leibe erfahren hat, ersparen will. "Ich ziehe gern Eltern oder dem Schulungsteilnehmer nahe stehende Personen zu Rate. Doch den Seminarstunden müssen sie dann fernbleiben, was von den Sündern meist im Vorfeld gefordert wird."

"Früher gab es keine Autos für zehn Euro"

Als eine negative und der Verkehrssicherheit abträgliche Möglichkeit, sieht es Rühlicke an, dass Autos für zehn Euro gekauft werden können, ohne die erforderlichen Nachweise vorweisen zu müssen. "Das ist einer funktionierenden Gesellschaft abträglich. Junge Menschen können so schnell auf die schiefe Bahn geraten." Der Drang auch unter der Gefahr eines Gesetzesbruchs mobil sein zu müssen, könne sprichwörtlich am Baum enden, kann die erfahrene Kraftfahrerin solch ein Handeln zwar nachvollziehen, doch sie dafür kein Verständnis aufbringen. Es müsse bereits im Kindesalter vom Elternhaus aufgeklärt werden, bevor die Jugendlichen auffällig würden. Sozial alleingelassen, knüpfen die labilen Heranwachsenden negative soziale Kontakte, um letztlich ein für sie nicht kalkulierbares Risiko einzugehen. Die Verkehrswachten klären auf, können Hilfestellungen geben, doch die Einsicht müsse allein wachsen und stabil bleiben.