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Schwerin Charmeoffensive für den Lehrerberuf

Von Karin Koslik | 10.08.2013, 04:03 Uhr

Der Lehrerberuf in Mecklenburg-Vorpommern soll für Hochschulabsolventen attraktiver werden.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) kündigte dafür gestern eine "Charmeoffensive" an, die mit der Verbesserung der Einstellungsbedingungen und der Erhöhung der Vergütungen für Referendare um ein Fünftel beginnt.

Ab 2014 wird das Land nicht mehr nur am 1. Februar, sondern zusätzlich auch am 1. August Referendare für alle Schularten einstellen. Außerdem wird es im Sommer weiter die Möglichkeit der Doppelqualifikation geben, das heißt, Interessenten können sich für Lehrämter sowohl an Gymnasien als auch an Regionalschulen ausbilden lassen. Durch die Einführung des zweiten Einstellungstermins sollen sich die Wartefristen für Lehramtsabsolventen des Sommersemesters auf den Vorbereitungsdienst verkürzen, so der Minister. Viele Interessenten waren in der Vergangenheit gerade wegen dieser Wartezeiten in andere Bundesländer abgewandert. Andere ließen sich von der Möglichkeit der Verbeamtung locken - doch die besteht nun auch hier: Zum 1. August sind erstmals in Mecklenburg-Vorpommern Referendare zu Beamten auf Widerruf ernannt worden.

Zwischen 350 und 400 Lehramtsabsolventen beenden jährlich ihr Studium an den Universitäten Rostock und Greifswald, sie vor allem sollen künftig im Land gehalten werden, betont Brodkorb. Schließlich werde der Bedarf an Referendaren schon bald auf 500 bis 600 jährlich ansteigen. Schon jetzt kämen circa 80 Prozent der Bewerbungen um ein Referendariat aus dem Land. Dass dennoch von den zum Einstellungstermin 1. Februar 2013 ausgeschriebenen 250 Stellen nur 151 besetzt werden konnten, lag vor allem daran, dass sich sehr viel mehr Interessenten sich für den Vorbereitungsdienst an Gymnasien interessierten, als dort Stellen bereitstanden. "Auf eine Stelle kamen vier Bewerber", so Brodkorb. Bei den Grundschullehrern war das Verhältnis fast ausgeglichen, an Sonder- und Realschulen dagegen konnten viele Stellen mangels Bewerbern nicht besetzt werden.

Damit sich das künftig ändert, sind die Kapazitäten für Grundschul- und Sonderpädagogik an der Rostocker Universität bereits verdoppelt worden, so der Minister. Beide Universitäten des Landes dürften schon jetzt nicht mehr als die Hälfte der Stellen für Lehrämter an Gymnasien vorsehen - "doch es dauert natürlich ein wenig, bis sich das bei den Absolventen bemerkbar macht", betont Brodkorb. In den regionalen Schulen werde sich die Situation deutlich entspannen, wenn die Realschullehrer besser bezahlt werden.

Eine weitere Neuerung: Referendariatsstellen sollen ab 2014 schul- und fachkombinationsbezogen ausgeschrieben werden. Der konkrete Bedarf an den einzelnen Schulen soll so besser berücksichtigt und die Qualität der Ausbildung verbessert werden, "denn das Engagement der Schulen wird sich steigern, wenn sie wissen, dass sie Referendare, die sie ausbilden, auch behalten", schlussfolgert Brodkorb. Mentoren sollen in Abstimmung mit den Lehrerverbänden ab dem Schuljahr 2014/15 statt der bisherigen monatlichen Vergütung von 100 Euro brutto durch eine Anrechnungsstunde je Referendar und Woche entlastet werden - auch das käme der Ausbildungsqualität zugute.

Problematisch könnte das Vorziehen der Bewerbungstermine werden, über die das Ministerium auf seinem Bildungsserver (www.bildung-mv.de) informiert. Durch die Möglichkeit einer Überbrückungsbeschäftigung als Vertretungslehrkraft sollen Lehramtsabsolventen dennoch bei der Stange gehalten werden. Die bereits geleistete Unterrichtstätigkeit soll ihnen als Bonus im Auswahlverfahren angerechnet werden und kann sogar zur Verkürzung des Referendariats führen.