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Buswartehäuschen in Klein Markow Bücher in die alte Busse

Von Norbert Fellechner | 28.11.2012, 10:16 Uhr

Franz Riegel liest im Buswartehäuschen von Klein Markow in einem Buch, das über fotografisch interessante Orte informiert. Der 61-Jährige möchte die Wartehäuschen im Land mit einer ausgefallenen Idee neu beleben.

Zahlreiche Buswartehäuschen im Land sind beschädigt oder haben längst ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Ihr Mauerblümchendasein könnte sich ändern, Franz Riegel aus Klein Markow hat da eine Idee. Der 61-Jährige hat in den zurückliegenden Jahren Hunderte Wartehäuschen genauer unter die Lupe genommen und fotografiert. "Wenn ich in meiner Küche sitze und aus dem Fenster sehe, dann schaue ich genau auf unser Bushäuschen. Bis vor zwei Jahren hat hier noch ein kleiner Junge auf seinen Schulbus gewartet. Heute kommt nach wie vor noch der Bus und macht seine Runde - doch niemand steigt mehr zu. Denn der Junge ist inzwischen in der Ausbildung", erläutert Franz Riegel die Situation. Das brachte ihn vor einiger Zeit auf den Einfall, verlassene Bushäuschen ein wenig anders zu nutzen. "Nehmen wir mal das Bushäuschen in Neu Heinde. Das ist verrostet, und wenn ich dort war, lagen dort immer wieder Pappbecher herum. Da treten doch Fragen auf. Zum Beispiel: Warum räumt niemand den Müll weg? Woher kommen mitten im Nirgendwo Pappbecher? Wer trinkt hier seinen Kaffee? Stehen seit Monaten die selben Pappbecher auf der Sitzbank oder sind es die gleichen?"

Franz Riegel suchte nicht nach Antworten und Ausreden, sondern nach Lösungen. Eine, so meint er, könnte in etwa so aussehen, dass man in dem örtlichen Bushäuschen eine kleine Umsonst-Bibliothek einrichtet. "Ich stelle mir das ungefähr so vor: Jeder im Ort hat entweder Zeitungen oder Bücher, die er bereits gelesen hat. Einige davon legt er im Bushäuschen ab. Jeder, der zum Bushäuschen kommt und eine Zeitung oder auch ein Buch ablegt, kann wieder die selbe Anzahl Bücher oder Zeitungen mitnehmen. Auf diese Weise würde eine bunte Mischung entstehen. Das würde außerdem dazu beitragen, die Provinz wieder etwas zu beleben", glaubt Riegel an seine Idee. Im kommenden Jahr am 23. April, dem Tag des Buches, will er die erstmals in Klein Markow in die Realität umsetzen. Sollte das dort Schule machen, könnte sich Riegel vorstellen, dass sich auch andere Orte anschließen und ihre Buswartehäuschen beleben. Franz Riegel: "Buswartehäuschen sind doch ein Stück Verlässlichkeit im Ort. Da ist es immer doch besser, wenn Bücher oder Zeitschriften in den Häuschen einen Platz haben, als wenn diese wie seinerzeit in Neu Heinde immer wieder mit Pappbechern einer großen Fast-Food-Kette gefüllt sind. Und es ist doch schön, wenn man Dinge, die im Verlauf der Jahre eigentlich nutzlos geworden sind, wieder gebrauchen kann."

Pfingsten 2013 hat der Klein Markower noch etwas Besonderes mit dem Bushäuschen in seinem Heimatort vor. Dann nämlich will er im Rahmen der Aktion "Kunst Offen" das Wartehäuschen in eine Galerie verwandeln. Die soll dann Fotografien und Kartonmodelle zeigen - natürlich von Buswartehäuschen.