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Artenschutz Binnen-Hochwasser drohen

Von Redaktion svz.de | 14.11.2015, 08:00 Uhr

Grund dafür seien laut Experten zu strenge Artenschutzvorgaben

In MV könnte es laut Kritikern wegen zu strenger Artenschutzvorgaben weitere Hochwasser geben. Viele Gewässer dürften erst nach dem 15. Juli bearbeitet werden; deshalb sei dringend eine Trendumkehr nötig, sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände, Toralf Tiedtke, gestern auf einer Tagung in Linstow (Landkreis Rostock).

Experten haben dort über den Gegensatz von Infrastrukturausbau und Naturschutz beraten. Grund für die Sorge sei ein Erlass des Schweriner Umweltministeriums, das den Schutz vor Hochwasser im Vergleich zum Artenschutz nicht ausreichend berücksichtige. Durch diese Einschränkungen könnten enorme Regenwassermengen, wie sie häufig Ende Juli/Anfang August auftreten, nicht schnell genug abfließen.

2011 ist innerhalb von drei Wochen im Nordosten die halbe Jahresmenge an Regen gefallen. „So etwas kommt alle 1000 Jahre vor.“ Folge des wochenlangen Hochwassers vor allem entlang der Flusstäler von Uecker, Randow, Peene, Tollense und Trebel waren verfaulte Wiesen, eine beispiellose Mückenplage und verunreinigtes Trinkwasser für tausende Menschen.

„Wir müssten bestimmte Wasserwege schon eher bearbeiten“, sagte Tiedtke. Das beträfe etwa 2000 von 33  000 Kilometern Fließgewässern im Land. Tiedtke fordert, dass die Landkreise erst die Durchlassfähigkeit ihrer Hauptfließgewässer ermitteln. Die Vielfalt der Tiere und Pflanzen werde an den Fließgewässern mit geregelter Mahd besser erhalten, als durch eine zunehmende Versumpfung.