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Justiz MV Betrüger verrät Passwort nicht: 100.000 Euro futsch

Von ROLL | 29.12.2017, 05:00 Uhr

Justiz wollte die beschlagnahmte Internet-Währung Bitcoin versilbern – doch es gab ein Problem

Der Verkauf der digitalen Münzen würde sich lohnen – aktuell rund 100.000 Euro sind die Bitcoins wert, die die Ermittler vor Jahren bei einem Internetbetrüger sichergestellt hatten. Die Justiz in MV würde das Internet-Geld aus den krummen Geschäften auch gerne in Euro versilbern. Doch es gibt ein Problem: Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock mitteilte, fehlen den Strafverfolgern die Zugangsdaten für die digitale Geldbörse, auf denen die Bitcoin gespeichert sind. „Und ohne den Code kommen wir da nicht ran“, erklärte Oberstaatsanwalt Harald Nowack.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die acht Bitcoins vor rund zwei Jahren im Zuge eines Ermittlungsverfahrens wegen Betruges gegen den Betreiber eines Online-Shops für Elektroartikel und Potenzmittel sichergestellt. Die beschlagnahmte Internetwährung hatte damals insgesamt einen Wert von einigen 10.000 Euro. Aktuell liegt der Wert bereits eines einzelnen Bitcoin bei rund 12.500 Euro – vor einigen Tagen waren es sogar rund 15.000 Euro.

Der 27-Jährige Internet-Kriminelle wurde Anfang Dezember vom Landgericht Rostock wegen gewerbsmäßigen Betruges zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die sichergestellten Bitcoin sollten laut Nowack nach Abschluss des Prozesses veräußert werden und hätten dem Land rund 120.000 Euro eingebracht. Die virtuellen Geldeinheiten seien allerdings auf einer Art stark verschlüsseltem Kartenlesegerät, einer sogenannten Wallet, gespeichert.

„Der Code besteht aus über 20 Wörtern. Eine falsche Eingabe und die Wallet ist gesperrt“, erklärte Nowack. Für die Ermittler war die digitale Geldbörse bislang nicht zu knacken. Und auch vom Internetbetrüger kam keine Hilfe: Er konnte sich laut Nowack nicht mehr an den Code erinnern. Nach Einschätzung des Oberstaatsanwaltes bestehe kaum noch eine Chance, die digitalen Münzen in Euro und Cent einzulösen.

Mehr Erfolg bei der Veräußerung von Kryptowährung erhofft sich die Staatsanwaltschaft dagegen in einem Strafverfahren gegen einen Mann, der im Internet illegal eine Waffe ankaufen wollte. Dabei konnten die Ermittler laut Nowack 0,6 Bitcoins sicherstellen. Diese haben gegenwärtig einen Wert von rund 7500 Euro. „Die können wir noch einlösen“, gibt sich Oberstaatsanwalt Nowack optimistisch.

Bitcoin ist die zur Zeit bekannteste Internetwährung. Mit dem schein- und münzlosem Internet-Geld können Online-Geschäfte anonym und bankenunabhängig abgewickelt werden. Das macht die Währung auch für Internetkriminelle attraktiv. Gekauft und verkauft können Bitcoins auf speziellen Handelsplätzen im Internet.