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Wohlfahrt MV Berater an der Belastungsgrenze

Von KLIk | 29.12.2017, 05:00 Uhr

Landesmittel für gemeinnützige Beratungsangebote stagnieren - bis auf wenige Ausnahmen

Alles Kämpfen hat nichts genützt: Beratungsstellen in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege werden von der Landesregierung weiterhin nicht ausreichend finanziert. Im Doppelhaushalt 2018/19 stehen lediglich für den Bereich der Schwangerschaftsberatung zusätzliche Mittel in Höhe von 221 500 Euro zur Verfügung, so die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Christina Hömke. Bei der Schwangerenberatung handelt es sich allerdings auch um eine Pflichtaufgabe des Landes.

Für Angebote der Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-, der Sucht - und Drogenberatung, der Beratung von Menschen mit Behinderungen sowie der allgemeinen sozialen Beratung stagnieren die Mittel dagegen – und das nun schon seit Jahren, konkret seit 2013. Die Sach- und Personalkosten sind für die Träger der Beratungsangebote seitdem aber kontinuierlich gestiegen, betont der Wohlfahrtsverband. Die Beratungsstellen müssten also, um ihren Fortbestand zu sichern, mehr eigene Finanzmittel aufbringen – was angesichts des gemeinnützigen Charakters der Träger weitgehend ausgeschlossen ist.

So bleibt das Einwerben von Spenden für sie oft die letzte Chance – doch hier sind die Möglichkeiten inzwischen ausgereizt, wie Christina Hömke betont. Vor allem kleinere Vereine, die nur sehr eingeschränkt über eigene Ressourcen verfügen, kämen so immer mehr in die Bredouille.

„Bei den Vereinen ist die Belastungsgrenze erreicht“, betont die Geschäftsführerin des Paritätischen. „Leidtragende sind oft die Mitarbeitenden, da das Lohnniveau durch die genannten Rahmenbedingungen in den meisten Fällen deutlich unter dem der Beschäftigten im öffentlichen Dienst liegt.“ Leidtragende seien aber auch die Ratsuchenden, weil sich für bestimmte Angebote wie zum Beispiel die Allgemeine Soziale Beratung inzwischen keine Träger mehr finden lassen, die neue Beratungsstellen eröffnen, um die „weißen Flecken“ auf der Versorgungslandkarte zu schließen.

Die Mittelsteigerung, um die der Paritätische und andere Träger der freien Wohlfahrtspflege im Zuge der Haushaltsdebatte gekämpft hatten, ist – angesichts von mehrstelligen Millionenbeträgen, die anderen Bereichen zugestanden werden – sehr moderat: Um den seit 2013 aufgelaufenen Rückstand aufholen zu können, wäre einmalig etwa eine halbe Million zusätzlich nötig. Dazu käme eine jährliche Dynamisierung von mindestens 2,5 Prozent, um den Trägern eine Personalkostensteigerung analog der Grundlohnsummen-Entwicklung zu ermöglichen: Das hätte mit etwa 120 00 0 Euro pro Jahr erreicht werden können.

Doch eine Dynamisierung bei der Finanzierung der Beratungsdienste wird es zukünftig auf Beschluss des Landtages nur in den Landkreisen geben, die eine „Qualitative Weiterentwicklung der Beratungsangebote“ in Angriff nehmen.

Für den Paritätischen Wohlfahrtsverband ist
dies jedoch lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Schließlich zeige die Erfahrung aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald, wo als Modellprojekt die Neustrukturierung der Beratungsdienste in Angriff genommen wurde, dass dafür eine mehrjährige Planungs- und Vorlaufzeit erforderlich war. „Weitere Projekte werden vergleichbare Zeit in Anspruch nehmen. In der Praxis bedeutet das weitere zwei bis drei Jahre fehlende Dynamisierung für die Träger“, warnt Christina Hömke.

Zudem würden von der durch das Sozialministerium geplanten Neustrukturierung der Beratungslandschaft nur sieben Förderbereiche erfasst. Für sechs weitere, darunter die Hilfe in kritischen Lebenssituationen oder die Förderung der Betreuungsvereine, stelle der Landtag dagegen keine Dynamisierung in Aussicht.

Darüber hinaus bleibt die Finanzierungslücke aus den zurückliegenden Jahren bestehen. „Wir benötigen also eine einmalige deutliche Aufstockung und anschließend eine Dynamisierung für alle Förderbereiche“, macht Christina Hömke noch einmal die Position des Paritätischen deutlich.