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Palliativmedizin Beistand in der letzten Lebensphase

Von klik | 15.06.2017, 05:00 Uhr

Konzept für Palliativmedizin an Kliniken vorgelegt

Jeder muss sterben. Doch das zu akzeptieren ist schwer. Nicht wenige Patienten, die auf die Palliativstation des Rostocker Südstadt-Klinikums kommen, reagieren deshalb geradezu aggressiv, hat Lucienne Weidner-Zillmer, die Palliativ-Care-Managerin des Hauses, erlebt. „Dahinter steckt die Sorge, nicht wieder lebend herauszukommen“, weiß sie. Denn vielen sei der Unterschied zwischen einem Hospiz, in dem tatsächlich 97 Prozent aller Bewohner versterben, und einer Palliativstation, die mehr als die Hälfte aller Patienten lebend wieder verlassen, nicht geläufig. Um den Patienten ihre Angst zu nehmen, brauche es neben besonderer Zuwendung ein multiprofessionelles Team, das sich der Betroffenen und ihrer Angehörigen annimmt, so Weidner-Zillmer.

Wie solch ein Team aufgebaut sein muss und wie generell die Behandlung von Patienten mit weit fortgeschrittenen unheilbaren Erkrankungen und einer begrenzten Lebenserwartung aussehen sollte, hat der Arbeitskreis Palliativmedizin der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) jetzt in einem „Konzept zur stationären Palliativversorgung im Krankenhaus“ zusammengefasst. 16 der 37 Krankenhäuser im Land – genauso viele, wie im Moment eine palliativmedizinische Komplexbehandlung anbieten – haben an dem Papier mitgewirkt. Das sei, so KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow, bundesweit einmalig – einerseits, weil die Krankenhausträger ebenfalls hinter dem Konzept stünden, aber auch, weil sich sowohl Maximalversorger wie die beiden Universitätskliniken , aber auch kleine Häuser wie die Warnow Klinik Bützow auf gemeinsame Qualitätskriterien verständigt hätten.

Neun Krankenhäuser in MV unterhalten derzeit eigene Palliativstationnen, in den anderen betreuten spezialisierte Teams unheilbar kranke Patienten auf den Regelstationen. An drei weiteren Krankenhäusern – in Ludwigslust, Demmin und Wolgast – werden derzeit ebenfalls die Voraussetzungen für eine palliativmedizinische Versorgung geschaffen, so Gagzow.

Das Konzept bezieht grundsätzlich auch andere Versorgungsstrukturen z. B. der ambulanten Palliativ-, aber auch der Hospizversorgung mit ein. „Denn 72 bis 75 Prozent unserer Patienten, die wir palliativmedizinisch in der Klinik versorgt haben, versterben letztlich zu Hause“, weiß Prof. Dr. Christian Junghanß , Palliativmediziner an der Rostocker Universitätsmedizin. Generell verstirbt jährlich etwa ein Prozent der Bevölkerung, „zehn bis 15 Prozent der Sterbeprozesse benötigen eine hochkomplexe Begleitung“, so der Mediziner. Diese sollte idea-lerweise schon 18 bis 24 Monate vor dem erwarteten Todeszeitpunkt einsetzen. Denn es sei erwiesenermaßen lebensverlängernd, wenn eine palliativmedizinische Versorgung schon so früh wie möglich einsetzt, betont Dr. Beate Krammer-Steiner, Palliativmedizinerin aus dem Rostocker Südstadt-Klinikum.

Die Kapazitäten dafür reichen im Land allerdings noch nicht aus, betonen die Mitglieder des Arbeitskreises, vor allem in Vorpommern fehlten stationäre Palliativversorgungs-Angebote. Wünschenswert sei deshalb die Aufnahme ihres Konzeptes in den Landeskrankenhausplan.