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Schwerin Beim neuen Namen haperts noch

Von Janine Rabe | 05.09.2011, 08:11 Uhr

Die Tinte auf den Wahlzetteln für die neuen Kreisnamen ist noch kaum getrocknet.

Auch der Richterspruch, der die Kreisgebietsreform schließlich doch besiegelte, ist gerade erst verhallt. Doch zwei der sechs neuen Landkreise Mecklenburg-Vorpommerns warten bereits jetzt mit einer gemeinsamen Internetseite auf. So können sich die Bürger in den neuen Verwaltungsgebilden Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte auf einem gemeinsamen Portal über die Geschehnisse und Zuständigkeiten in den neuen Großkreisen informieren. In letzterem sogar schon seit dem 1. August und damit deutlich vor dem Urteil der Greifswalder Richter. "Wir wollten uns so früh wie möglich unter einem Dach präsentieren und dem Bürger zeigen, dass wir zukünftig ein Landkreis sind", erklärte Sprecherin Silke Egger gestern.

Während das Portal nach dem deutlichen Votum der Bürger für den Namen Mecklenburgische Seenplatte nicht umbenannt werden muss, steht bei den Kollegen die Taufe der Seite auf den gewählten Namen Ludwigslust-Parchim anstelle des Arbeitstitels Südwestmecklenburg noch aus. "Damit warten wir, bis der neue Name offiziell bestätigt wird, ebenso wie mit den Schildern an den Ämtern", sagte Sprecher Andreas Bonin.

In den anderen vier Kreisen will man das Thema gemeinsamer Internetauftritt nach der Bestätigung der Ergebnisse aus dem Bürgerentscheid angehen. "Wir haben uns im Vorfeld aber schon verschiedene Domains für die möglichen Namen gesichert", sagte Marina Köster vom Landkreis Rostock.

Doch abgesehen von gemeinsamen Portalen, wie funktionieren die neuen Riesen-Kreise? Sind die größten Kreisverwaltungen der Bundesrepublik einen Tag nach Inkrafttreten der Reform schon arbeitsfähig? Unsere Zeitung hat es getestet. Drei Fragen wurden der Vermittlung in den alten neuen Ämterngestellt: Bei welcher Zulassungsstelle muss nun das Auto angemeldet werden? Wo werden die Schilder beantragt, mit denen Parkplätze für den Möbelwagen frei gehalten werden? Und wo gibt es die Genehmigung für ein Feuerwerk für die Hochzeit der Schwester?

Schon der erste Anruf beim Amt in Waren zeigte, dass der Bürger wohl keine Angst vor großer Verwirrung und Unwissenheit im Zuge der großem Reform haben muss. Die Zulassung ist weiter vor Ort, erklärte die freundliche Dame. Und die Schilder sind beim Ordnungsamt zu beantragen, ebenso wie das Feuerwerk. Gleich dazu und auch noch ungefragt wurden Öffnungszeiten und Telefonnummern geliefert. Das gleiche wiederholte sich in Parchim, Güstrow und Anklam. Lediglich der neue Kreisname beziehungsweise der vorläufige sorgte bei der ein oder anderen Dame oder auch den Herren vom Amt für leichtes Zögern und Versprechen. Ein Phänomen, das auch frisch Verheirateten geläufig sein dürfte. Doch ob Landkreis Güstrow, Rostock oder doch Mittleres Mecklenburg - die gewünschte Antwort gab es prompt.

"Die Bürger werden erstmal so gut wie nichts von den Veränderungen mitbekommen und weiter ihre bewährten Ansprechpartner vorfinden", erklärte Achim Froitzheim, der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Zwar sind hier einige Ämter wegen Umzugs geschlossen, allerdings wegen Schimmelbefall in einem Gebäude und nicht wegen Standortveränderungen aufgrund der Reform.

Neben den normalen Aufgaben gab es in den neuen Kreisverwaltungen am ersten Arbeitstag durchaus Neues. In Neubrandenburg wurde der Kreissitz mit dem Büro der Übergangslandrätin bezogen, wie Silke Egger sagte. Außerdem gab es dort wie auch in Parchim und Anklam Beratungen mit sämtlichen Amtsleitern des neuen Kreises. "Es war ein unaufgeregter erster Tag", meinte Andreas Bonin. Auch in den Ämtern seien die Telefone nicht wegen Fragen verunsicherter Bürger heiß gelaufen. Vom Umzug seien bisher auch nur "eine Hand voll Mitarbeiter" betroffen.

Die haben nun zumindest auf dem Nachhauseweg genug Zeit, um den neuen Kreisnamen zu üben.