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Verkehrsprojekt in Loitz Bei Anruf Bus

Von Martina Rathke | 16.12.2017, 15:40 Uhr

Flexibel mobil statt abgehängt: In Vorpommern ist ein neuartiges Rufbussystem gestartet.

Bewohner auf dem Land sollen flexibler als bislang Arzt, Supermarkt, Behörden oder Bekannte erreichen können. In der kleinen Peenestadt Loitz in Vorpommern startete im Rahmen eines Modellprojektes des Bundes am Freitag ein neuartiges Rufbussystem.

Anders als bei anderen Rufbussystemen verkehren die Fahrzeuge nicht nach festen Taktzeiten, sondern nach individuellen Fahrtwünschen und flexibel zwischen allen Orten mit Haltestellen in der Region Loitz. Das Angebot mit dem Namen Ilse (Integrierte Leitstelle Erweiterung) sei damit eine Erweiterung bestehender Rufbussysteme und des Linienverkehrs, sagte der Chef der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald, Dirk Zabel, gestern in Loitz. „Wir erschließen die Fläche.“ Der Bus verkehre nicht nur auf den Linienstrecken, sondern kreuz und quer zwischen den Haltestellen-Orten.

Der Rufbus richtet sich nicht nur an Senioren, sondern auch an Kinder und Jugendliche, die noch keine Fahrerlaubnis haben. Älteren Menschen werde damit die Chance gegeben, in ihrer gewohnten Umgebung zu verbleiben. Zudem soll der ländliche Raum attraktiv für junge Familien werden, sagte der Sozialdezernent des Kreises Vorpommern-Greifswald, Dirk Scheer, in Loitz.

Der Kreis ist eine von bundesweit 18 Regionen des Bundes-Modellvorhabens „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“. Bestandteil des Modellvorhabens sind auch neue Mobilitätslösungen für die Region. Der Bund fördert das Vorhaben mit 351 000 Euro. Ziel: Wanderungsprozesse vom Dorf in die Städte sollen nicht noch dadurch beschleunigt werden, weil die Lebensverhältnisse auf dem Land schlechter werden, wie Bernd Rittmeier vom Bundesverkehrsministerium sagte. „Ilse, Agnes und Emma sind die wichtigen Säulen der Daseinsvorsorge auf dem Land.“

Agnes steht für das Modell der Gemeindeschwester, Emma steht für den Tante-Emma-Laden auf dem Dorf.

Der Loitzer Bürgermeister Michael Sack (CDU) sieht in dem Rufbussystem ein maßgeschneidertes Angebot für kleine Orte und Splittersiedlungen. Er forderte ein Umdenken der Landespolitik, die kleineren Orte nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die Landesregierung ist noch immer im Tunnel drin, dass die Bevölkerungszahlen schrumpfen.“ Der Bevölkerungsrückgang sei zumindest in der Region Loitz gestoppt. „Entwicklung in Richtung Abwicklung ist nicht unser Ziel“, sagte Sack.

Das Rufbus-System ist zunächst bis August 2018 befristet. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, Routen würden analysiert, Fahrgäste und die Zieleinrichtungen befragt, sagte der Greifswalder Betriebswirtschaftsprofessor Steffen Fleßa. Großes Ziel sei, dass Ilse nicht nach Projektende verschwindet.

Der Rufbus Ilse (insgesamt sind es vier Fahrzeuge) muss spätestens 60 Minuten vor der gewünschten Zeit angemeldet werden, entweder per Telefon, per Smartphone oder Computer. Er verkehrt zwischen 8 und 18 Uhr.