Ein Angebot des medienhaus nord

Datenschützer warnen vor Missbrauchsgefahr Bedenklich: Facebook erfasst Organspender

Von Karin Koslik | 02.11.2012, 06:06 Uhr

Das Facebook seinen Mitgliedern jetzt auch Angaben zur Organspendebereitschaft ermöglicht, beunruhigt die Datenschützer. Sie warnen vor Missbrauchsgefahr: Jeder muss wissen, dass die Informationen öffentlich sind.

Datenschützer sind beunruhigt: Dass das soziale Netzwerk Facebook seinen Mitgliedern jetzt auch Angaben zur Organspendebereitschaft ermöglicht, öffne Missbrauch Tür und Tor. "Jeder muss sich darüber im Klaren sein: Wenn er diese Information über Facebook ins Netz stellt, dann ist sie öffentlich", warnt der Stellvertreter der Landes-Datenschutzbeauftragten, Gabriel Schulz. Im schlimmsten Falle könnten daraus kriminelle Machenschaften erwachsen. "Die Phantasie der Datenschützer reicht in der Praxis nicht aus, um sich all das vorzustellen, was an Missbrauch möglich ist", so Schulz. Der Gesetzgeber habe medizinische Daten nicht umsonst unter besonderen Schutz gestellt, so der Datenschützer. Allerdings gelte dieser nur so lange, wie der Einzelne ihn nicht selbst aufgibt - zum Beispiel, indem er sie in sozialen Netzwerken öffentlich macht.

"Ich sehe keine Notwendigkeit, die sehr persönliche Entscheidung, Organe spenden zu wollen, der ganzen Welt mitzuteilen", betont auch Brandenburgs-Landesbeauftragte für den Datenschutz, Dagmar Hartge. "Facebook ersetzt weder das Gespräch mit Angehörigen noch eine offizielle Erklärung der Spendenbereitschaft."

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht die Aktion differenziert: "Ich finde es gut, wenn auch über Facebook die Menschen für das Thema Organspende sensibilisiert werden und eine lebhafte Diskussion da rüber entfacht wird. Das kann aber nicht ersetzen, dass sich jemand einen Organspendeausweis zulegt." Seit Donnerstag würden viele Krankenkassen die Ausweise und Antworten auf alle Fragen rund um das Thema Organspende an die Versicherten verschicken.

Erst jeder fünfte Deutsche hat einen Organspendeausweis ausgefüllt, betont die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die ihre Kooperation mit dem sozialen Netzwerk daher verteidigt: "Mit der Funktion auf Facebook möchten wir möglichst viele Menschen motivieren, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, darüber auszutauschen und eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen", so DSO-Sprecherin Christine Gehringer. Schließlich warteten in Deutschland 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Etwa 1000 Menschen sterben pro Jahr, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen konnten. Voraussetzung dafür, dass sich mehr Menschen zur Organspende positionierten, sei ausreichende Aufklärung, "und diese Informationen möchten wir zur Verfügung stellen". Jeder zweite Bundesbürger fühlt sich laut DSO derzeit nicht genügend informiert, um eine Entscheidung zu treffen. "Die ist aber wichtig, um die Angehörigen zu entlasten und ihnen nicht in einer Situation der Trauer und des Verlustes auch noch diese schwierige Entscheidung zusätzlich aufzubürden", betont Gehringer. Der Organspendestatus auf Facebook sei einer Willensäußerung gleichzusetzen. Liege kein Organspendeausweis vor, könne der Organspendestatus auf Facebook eine Entscheidungshilfe für die Angehörigen sein, er habe also eine praktische Relevanz. In jedem Fall sollte aber zusätzlich einen Organspendeausweis ausgefüllt und mit den Angehörigen über die Entscheidung gesprochen werden, so Gehringer.