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Greifswald Baukultur, die über Grenzen strahlt

Von Andreas Frost | 08.11.2012, 08:37 Uhr

Seit dem Sommer 2011 laufen rund 300 Schweriner Schüler morgens über eine kleine Brücke auf ihr Schulgelände.

Wenn sie diesen eher symbolisch gemeinten Steg von der lauten Knaudtstraße aus überquert haben - denn es ist kein Graben zu überwinden - stehen sie in ihrem ganz eigenen alltäglichen Lern-Reich. Wände aus senkrechten Lärchenholzlamellen und große Fensterflächen lassen die zweistöckigen, zueinander versetzten Quader des Schulhauses wie moderne Gartenpavillons erscheinen, die sich um mehrere kleine Höfe gruppieren. Im Foyer des privaten Gymnasiums "Ecolea" hängen große tropfenförmige Lampen von der Decke. "In diesem Gebäude sind alle vier Jahreszeiten spürbar", sagte Schulleiter Björn Freitag, als das Haus vor gut einem Jahr eingeweiht wurde. Es ist vom Licht durchflutet, von geraden Linien geprägt und bietet doch genügend Nischen und Rückzugsräume.

Seit gestern ist die Ecolea-Schule ein Beispiel für Baukultur, die über die Landesgrenzen hinaus strahlt. Das Wirtschaftsministerium, die Architekten- und die Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommerns zeichneten in Greifswald das vom Lübecker Architekturbüro "Petersen Pörksen Partner" entworfene Haus mit dem Landesbaupreis 2012 aus. Damit werde "die gelungene Zusammenarbeit von Bauherren, Architekten, Ingenieuren, und Handwerkern gewürdigt", sagte Bauminister Harry Glawe (CDU). "Das Schulgebäude überzeugt durch seine schlüssige Übereinstimmung von didaktischem Konzept und Architektur", hieß es in der Begründung. Es motiviere Schüler und Lehrer, es ermögliche "differenziertes" Arbeiten, etwa in kleinen und in großen Gruppen, es verbrauche wenig Energie und sei natürlich weitgehend barrierefrei.

Architektur ist, wie es der frühere Präsident der Bundesarchitektenkammer Sighart Schmidt einmal sagte, "die öffentlichste aller Künste". Das Radio könne man abschalten, ins Theater müsse man gehen, aber "an der gebauten Umwelt kommt man nicht vorbei". Das kann Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, auch heute noch unterschreiben. "Baukultur spiegelt die Gesellschaft wider und ist Identifikationsfaktor. Wer bewusst wohnt, lebt besser." Jedoch entstehe Baukultur nicht von allein, sie müsse von der Gesellschaft eingefordert werden, findet Peter Otte, Präsident der Ingenieurskammer. Der Landesbaupreis soll seit 1998 die Diskussion über "gute Baukultur" anregen.

Der Jury fiel die Entscheidung in diesem Jahr offenbar nicht leicht, welche Bauten die Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommerns am besten widerspiegelten. Von 44 eingereichten Arbeiten waren neun ins Finale gekommen; acht bekamen eine Auszeichnung. Die prämierten Gebäude stehen durchaus für politisch wichtige Themen: für Schule und Bildung, für die Sanierung der alten Städte und für das Leben auf dem Land.

Den Landesbaupreis für Gebäude, die weniger als 500000 Euro gekostet haben, heimste ein Einfamilienhaus in der Stralsunder Altstadt ein, das das Stralsunder Architekturbüro "Gnadler, Meyn, Woitassek" laut Jury hervorragend in eine Baulücke gegenüber der Jakobikirche eingepasst hat. Ein Sonderpreis ging an den Neubau eines Bauernhofes auf Rügen. Die Gebäude wirkten ebenso "ungewöhnlich wie selbstverständlich", urteilte das Preisgericht.