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Übersicht Bahnhof in Hand einer Jugendbande?

Von Jens Griesbach | 09.10.2008, 04:22 Uhr

Wir befinden uns nicht in der Bronx in New York oder im berüchtigten South Central in Los Angeles, wo Jugendbanden die Nachbarschaft terrorisieren. Nein, wir befinden uns am Güstrower Bahnhof. Hier treibt seit einiger Zeit die „Güstrower Bahnhof-Gang“ ihr Unwesen. Die Polizei ist alarmiert.

Güstrow - Sie lungern am Bahnhof rum, brüllen, pöbeln und konsumieren Alkohol. „Da geht öfter mal eine Flasche zu Bruch“, sagt ein Taxifahrer, der nicht genannt werden will. Rund um die Bänke vor dem Bahnhofsgebäude sähe es oft aus wie in einem „Saustall“. „Einmal war es so schlimm, dass die Mitarbeiterin des Zeitschriftenladens die Polizei gerufen hat“, so der Taxifahrer weiter. Zugreisende seien immer mehr schockiert von den Zuständen vor dem Bahnhof.

Die Güstrower Kriminalpolizei ermittelt bereits gegen einige Mitglieder der „Güstrower Bahnhof-Gang“, wie sich die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren selbst nennen. Vor kurzem beschmierten einige, darunter zwei Mädchen, ein ganzes Zugabteil mit den Initialen „GBG“. Immer wieder kommt es zu Sachbeschädigung im Bereich des Bahnhofs. Auch die Scheibe einer Telefonzelle ging zu Bruch. Doch dieser Vandalismus sei der „GBG“ nicht eindeutig zuzuordnen, so der Leiter des Güstrower Polizeireviers, Hans-Joachim Kracht.

Alkohol spielt große Rolle bei Gang-Mitgliedern
20 bis 30 Mitglieder soll die „GBG“ inzwischen haben. Die Polizei ist alarmiert. Kracht nennt die randalierenden Jugendlichen ein „Problem“. Von einer „Gang“ will er jedoch nicht sprechen. „Es handelt sich um eine lose Gruppe, deren Mitglieder sich am Bahnhof treffen, um von hier nach Hause zu fahren“, sagt der Revierleiter. Viele seien in Güstrow in der Berufsvorbereitung. Vor kurzem griff die Polizei einen total betrunkenen Jugendlichen vor dem Bahnhof auf, der ebenfalls etwas von „GBG“ lallte, so Kracht. „Alkohol spielt bei denen eine große Rolle.“

Kracht nennt die „Gang“ eine „Möchtegern-Truppe“. Es handele sich um „Halbstarke“, sagt er. „Man sollte das Phänomen nicht aufwerten.“ Dennoch werden die Beamten bereits präventiv tätig, führen Gespräche mit den Jugendlichen. „Wir sind angemessen aufmerksam und beobachten die Problematik“, sagt Kracht.