Ein Angebot des medienhaus nord

70 Jahre SVZ: Die Leser Bärbel und Dietrich Franz haben seit 45 Jahren Appetit auf SVZ 

Von Anja Bölck | 01.07.2022, 06:58 Uhr

Bärbel und Dietrich Franz können nicht ohne ihre Zeitung in den Tag starten. Das geben sie gern zu. Zu Besuch bei zwei besonderen Lesern.

Früher lebten Bärbel und Dietrich Franz auf einer echten Insel. Heute ist ihre Insel die kleine Küche, in die sie sich jeden Morgen gegen 7 Uhr zur gemeinsamen Zeitungslektüre zurückziehen. Ihr tägliches Ritual: „Erst essen wir in Ruhe Frühstück“, sagt Dietrich Franz, „dann bereiten wir einen Obstteller zu.“ Anschließend wird die SVZ brüderlich geteilt. Dietrich Franz nimmt den vorderen Teil, Bärbel Franz den hinteren. Zwischendurch tauschen sie.

Seit 45 Jahren starten die beiden so in den Tag. „Klar hatten wir ab und an mal den Gedanken im Kopf, die Zeitung abzubestellen“, gesteht Bärbel Franz. „Nämlich dann, wenn sie wieder teurer wird. Da schimpfen wir erst einmal. Aber wir wissen ja, wir können gar nicht ohne sie.“ Wegen des schönen Rituals am Morgen und weil ihre Neugier groß ist, was vor ihrer Haustür passiert.

Eine Stunde tauchen sie in die Seiten ein

Mit der SVZ lässt sie sich stillen. Sie erfahren, wo mal wieder ein neues Restaurant eröffnet, wie der Brückenbau voranschreitet und worüber sich die Lokalpolitiker streiten. Bärbel Franz mag das Kreuzworträtsel und Dietrich Franz das Sudoku. Mindestens eine Stunde verbringen die beiden, die in Wittenförden im Landkreis Ludwigslust-Parchim leben, so in ihrer Küche. „Wir lesen eigentlich alles“, sagt Dietrich Franz. „Es steht ja auch genug drin. Am Samstag guck ich dann noch, ob ich jemanden kenne, der gestorben ist. Nur die großen, ganzseitigen Werbeanzeigen nerven uns manchmal. Aber na gut. Die Zeitung muss halt auch Geld verdienen.“

Bärbel und Dietrich Franz verdienten ihre „Brötchen“ früher als Telefonistin beziehungsweise Vermesser. Aufgewachsen sind die beiden auf der Insel Usedom. Sie in Heringsdorf, er am Achterwasser. In den 1960er-Jahren hat Dietrich Franz beruflich immer häufiger in Schwerin zu tun. Als sein Arbeitgeber dort einen Bürokomplex errichtet, zieht die fünfköpfige Familie Franz 1976 nach Schwerin. Noch im selben Jahr abonnieren sie die SVZ. Wie selbstverständlich. „Bei uns zu Hause wurde immer die Tageszeitung gelesen“, erinnert sich Dietrich Franz. „Wir hatten auch die ,Wochenpost’ und ,Bauernzeitung’.“

Viele Jahre lebten Bärbel und Dietrich Franz in einem Schweriner Plattenbaugebiet, auch, als die Kinder längst ausgeflogen waren. Vor ein paar Jahren zogen sie nach Wittenförden. Und die SVZ mit ihnen. Weil die beiden immer sehr reiselustig waren, gingen sie bei vielen SVZ-Leserreisen mit an Bord. Fit halten sich die beiden bis heute in der Kegelgruppe oder sie pückern im Garten herum. Dabei plaudern sie gern mit den Nachbarn. Einer von ihnen darf sich jeden Tag ihre SVZ holen, wenn sie die Morgenlektüre beendet haben. „Warum auch nicht“, sagt Bärbel Franz. „Nachdem wir sie gelesen haben, lege ich sie in den Briefkasten und der Nachbar holt sie sich. Einzige Bedingung, er muss sie dann selber entsorgen.“

Noch keine Kommentare