Ein Angebot des medienhaus nord

Aufnahmen von Kindern Bad Oeynhausen: Heilpraktiker unter Missbrauchsverdacht

Von dpa und PM | 04.04.2019, 18:30 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Ein 60 Jahre alter Physiotherapeut und Heilpraktiker aus Bad Oeynhausen soll in seiner Praxis bei Behandlungen mehrfach pornografische Fotos von zwei Kindern angefertigt haben. Daneben soll er zahlreiche kinder- und jugendpornografische Bilder besessen haben. Der Mann befinde sich wegen Wiederholungsgefahr seit vergangener Woche in Untersuchungshaft, teilte die Polizei Dortmund am Donnerstag mit.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie. Spezialisierte Ermittler und Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Dortmund unterstützten die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke bei den Ermittlungen, so die Polizei. Die Ermittler wollen jetzt herausfinden, ob es noch weitere Taten gab. Seit Donnerstag hat die Polizei dazu mobile Anlaufstellen in Bad Oeynhausen und im benachbarten Minden eingerichtet. Bis einschließlich Samstag wollen Ermittler und Opferschutzbeauftragte der Polizei dort Hinweise entgegennehmen. Mögliche Betroffene und Zeugen können sich zudem an die Polizeidienststellen in Bad-Oeynhausen und Minden-Lübbecke wenden.

Weitere Opfer nicht auszuschließen

Weitere Verdächtige gebe es nicht, sagte Staatsanwalt Moritz Kutkuhn von der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Die Kinder seien unter 14 Jahren alt. Wie aus dem Manuskript für einen mündlichen Bericht Reuls im Innenausschuss des NRW-Landtags hervorgeht, hätte der Fall "höher priorisiert" werden müssen, da der Verdächtige als Kinder- und Jugendtherapeut "freien Zugang zu Kindern und Jugendlichen" gehabt habe.

Der Fall lag laut Reul seit November 2017 bei der Kripo Minden-Lübbecke. Erst am 8. März dieses Jahres sei es zu einer Durchsuchung gekommen, seit dem 29. März sitze der Mann aus Bad Oeynhausen in Untersuchungshaft. Die "Bild"-Zeitung hatte online zuerst über die Verzögerung berichtet.

Zweiter aufsehenerregender Fall

Laut Reul gebe es bisher eine "mittlere einstellige Zahl von Opfern". Es sei "aber nicht auszuschließen, dass es noch weitere Opfer gibt, möglicherweise sogar viele", so der Minister. Mit dem Fall seien jetzt 80 Ermittler beschäftigt.

Der aus Bad Oeynhausen kommende AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Wagner kritisierte, dass im Fall des Therapeuten ein Jahr vergangen sei, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Er äußerte Zweifel an der Begründung, die Verzögerung sei ermittlungstaktisch begründet. Der beschuldigte Therapeut sei vermutlich nach dem ersten Versuch von Nachbarn gewarnt gewesen. Zugleich bekräftigte er die AfD-Forderung nach einem Untersuchungsausschuss. Es gelte, die Zeit zu nutzen, weil es Monate dauere, bis der arbeitsfähig sei.

Zum Thema: Sexueller Kindesmissbrauch: Viele Opfer leiden auch noch als Erwachsene

Es ist der zweite Fall von Kindesmissbrauch in der Gegend, der für Aufsehen sorgt. In Lügde soll ein arbeitsloser Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige setzte dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, den Ermittlungen zufolge ein, um andere Kinder anzulocken. Die Zahl der Opfer ist inzwischen auf 40 gestiegen, hinzu kommen zwölf Verdachtsfälle. Das teilte Innenminister Reul am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags mit. Auch die Zahl der Beschuldigten habe sich von sieben auf acht erhöht. Zuvor war von 36 Geschädigten und weiteren 15 Verdachtsfällen ausgegangen worden. Die Polizei verfolge inzwischen mehr als 700 Spuren, sagte Reul.

Die Jugendämter in Lippe und Hameln sollen frühere Hinweise auf sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt haben. Zum Teil wurden Akten von Mitarbeitern manipuliert. Es wird gegen Jugendamtsmitarbeiter und Polizisten ermittelt.

Kommentar: Die Mauer des Schweigens durchbrechen