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Reaktion auf Disqualifikation „Ausgemistert“ wegen Kind

Von JORO | 02.12.2016, 20:45 Uhr

Wie diskriminierend ist ein Schönheitswettbewerb, der ausschließt, dass die Teilnehmer Nachwuchs haben dürfen?

Die Disqualifizierung des Mister Mecklenburg-Vorpommern vom Mister Germany Wettbewerb, weil dieser eine Tochter hat, löst eine Welle der Empörung aus. „Diskriminierung allererster Güte“, lautet der Vorwurf aus der Bevölkerung. Im sozialen Netzwerk Facebook schreibt Rico Zander: „Das ist doch ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen und absolut lächerlich.“

Die Miss Germany Corporation (MGC) hatte Anfang des Jahres ihre Satzung geändert, um eine Gleichstellung zur Miss Germany herzustellen. Bei den Miss-Wahlen sei familiäre Unabhängigkeit schon länger Bedingung gewesen, weil die Siegerinnen für ein Jahr ihren Beruf aufgeben und als Miss zur Verfügung stehen müssen, erklärt Ines Klemmer von der Geschäftsführung der MGC. Das Aufsetzen neuer Statuten sei laut Corporation von der Gleichstellungsbeauftragten aus Kiel, Helga Rausch, angestoßen worden. „Sie hat uns ermahnt, dass die Satzungen für die Miss und den Mister nicht übereinstimmen“, sagt Organisator Max Klemmer. „Zuvor durften die Teilnehmer nicht nur Kinder haben, sondern auch älter sein. Die Grenze lag bei 39 Jahren und liegt jetzt bei 29 Jahren.“ Durch die Änderungen seien dem Veranstalter zahlreiche potenzielle Teilnehmer weggebrochen. „Wir können die Satzung aber nicht wieder ändern. Dann bekommen wir Gegenwind aus der Politik“, so Klemmer. „Wir sind selbst traurig darüber, dass wir die Statuten angleichen mussten.“

Derweil steht Helga Rausch weiter zu ihrer Meinung: „Bei einer Miss- oder Mister-Wahl sollten für männliche und weibliche Teilnehmer die gleichen Regeln gelten. Es ist vollkommen unverständlich, dass Frauen kinderlos und ungebunden sein müssen, Männer jedoch verheiratet und Väter sein können, um bei einem solchen Wettbewerb anzutreten.“ Sie bedauere jedoch, dass die Veranstalter nun lieber auf Familienväter verzichten, als mit dem Klischee des „ledigen Fräuleins“ zu brechen.

Zur Erinnerung: Der Rostocker Denny Kambs hat sich am 19. November in Schwerin bei der Wahl zum Mister MV gegen seine Konkurrenten durchgesetzt. Insgesamt nahmen fünf Männer an dem Wettbewerb teil. Kambs entschied sich für eine spontane Anmeldung – angeregt von seinem Kumpel und Ex-Mister-MV Gunnar Preuß. „Er sagte mir, ich habe gute Chancen“, so Kambs. Dass aber nur kinderlose Herren teilnehmen dürfen, war zu diesem Zeitpunkt kein Thema. Auf dem Bewerbungsbogen gab der Profi-Stand-Up-Paddler an, dass er eine vierjährige Tochter habe. „Die neuen Statuten standen dort bereits mit drauf. Sie sind auch online einsehbar“, verteidigt Klemmer die MGC. Gleichzeitig gesteht er den Fehler ein, dass der Bogen nicht genau überprüft wurde. „Bei 5000 Teilnehmern deutschlandweit pro Jahr kann nicht jeder Bewerbungsbogen haargenau angeschaut werden.“ Er hoffe nun auf Dennys Verständnis.

MV’s Familienministerin Stefanie Drese (SPD) zeigt sich verwundert über die Tatsache, dass Kambs seinen Titel zurückgeben muss. Den Grund hält sie für nicht nachvollziehbar. Sie fordert die Miss Germany Cooperation auf, die Teilnahmebedingungen zu überdenken. „Wir wollen selbstbewusste und moderne Väter. Veranstaltungen und Wettbewerbe, die Väter ausschließen, sind ein Relikt vergangener Tage“, sagt sie. Max Klemmer kann die Aufregung nicht verstehen: Das Ministerium solle sich mit Helga Rausch auseinandersetzen und die Corporation nicht zur Verantwortung ziehen. Übrigens gibt es gesonderte Wettbewerbe für Frauen mit Kind: Sie können an der Misses oder an der 50plus-Wahl teilnehmen. Vielleicht gibt es auch bald einen „Mr. Daddy“ – das wünschen sich zumindest die Facebook-Leser. Für Denny Kambs hat es sich „ausgemistert“. Für ihn rückt der Zweitplatzierte Tony Eberhardt aus Neubrandenburg nach.