Ein Angebot des medienhaus nord

Flughafen Rostock-Laage betroffen Germania stellt Betrieb ein: Berliner Fluglinie beantragt Insolvenz

Von dpa | 05.02.2019, 06:45 Uhr

Die Flieger bleiben ab sofort am Boden, die Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Aus für Germania: Die Berliner Airline hat ihren Flugbetrieb eingestellt und einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH, wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mitteilte. Auf deutsche Flughäfen wirkt sich das Ganze unterschiedlich aus – vor allem kleinere Airports sind zum Teil massiv betroffen. Deutsche Airlines boten Germania-Passagieren, die sich im Ausland befinden, verbilligte Tickets für die Rückflüge an.

"Keine andere Möglichkeit"

Nach den Worten von Germania-Geschäftsführer Karsten Balke war es nicht gelungen, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. "Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", erklärte Balke. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter. Wie viele der zuletzt insgesamt 37 Flugzeuge bei Germania dort noch im Einsatz sind, blieb unklar.

Flughafen Rostock-Laage stark betroffen

Auf den deutschen Flughäfen bot sich ein unterschiedliches Bild. Stark betroffen sind kleinere Standorte – zum Beispiel der Flughafen Rostock-Laage. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann. Auch dem Flughafen Münster/Osnabrück drohen Lücken, etwa ein Viertel der Passagiere sollte 2018 in Germania-Maschinen sitzen. In Friedrichshafen am Bodensee liegt der Passagieranteil von Germania nach Airportangaben sogar bei etwa einem Drittel. Stark betroffen ist zudem der Erfurter Flughafen, wo Germania die wichtigste Airline war.

Was ist mit gebuchten Flügen?

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde vom Amtsgericht der Berliner Jurist Rüdiger Wienberg bestellt, wie ein Sprecher Wienbergs am Dienstag auf Anfrage sagte. Es handele sich um ein klassisches Regelinsolvenzverfahren und nicht um eines in Eigenverwaltung. Bei letzterem wäre das Management bis auf Weiteres an Bord geblieben, bei einer Regelinsolvenz übernimmt hingegen ein Insolvenzverwalter die Führung.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Betroffen sind laut dem Insolvenzverwalter rund 60.000 Reisende für den Zeitraum der nächsten zwei Wochen. "Wir sind derzeit mit anderen Marktteilnehmern im Gespräch, um den Passagieren, die an ihren Flugzielen festsitzen kurzfristig und unbürokratisch bei der Rückreise zu helfen", sagte Wienberg.

Weiterlesen: Germania-Insolvenz: Was Fluggäste jetzt wissen müssen

Mehr als vier Millionen Passagiere jährlich befördert

Als viertgrößte deutsche Airline ist Germania bei vielen Touristen wegen ihrer Ferienflüge in den Mittelmeerraum bekannt. Germania beförderte jährlich mehr als vier Millionen Passagiere. Zum Vergleich: Bei der Lufthansa Group waren es im vergangenen Jahr 142,3 Millionen Passagiere.

Der Insolvenzverwalter sprach in einer Pressemitteilung von 1426 vom Insolvenzverfahren betroffenen Mitarbeitern bei der Germania Fluggesellschaft mbH, 178 Mitarbeiter bei der Germania Technik Brandenburg mbH und 74 Mitarbeiter bei der Germania Flugdienste GmbH. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht indes bisher keinen Anlass für staatliche Hilfen wegen der Insolvenz. "Das ist ein Anwendungsfall von Marktwirtschaft", sagte Altmaier in Berlin.

Anfang des Jahres wurden Finanzprobleme bekannt

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte die Firma von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berichtete, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe sollte auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehört haben. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen, betonte aber noch am Montag: "Der Flugbetrieb verläuft stabil." In der Nacht folgte dann die Mitteilung der Insolvenz.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihren Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.