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Übersicht Augen zu und durch!? „Pagel“ redet weiter vom Aufstieg

Von André Gericke | 03.11.2008, 08:41 Uhr

Nur sechs von 28 Punktspielen konnte Hansa Rostock im Kalenderjahr 2008 gewinnen. Die sportliche Entwicklung der Mannschaft stagniert. Während Frank Pagelsdorf weiterhin vom Aufstieg spricht und nach Lösungen aus der Krise sucht, stärkt der Vorstand ihm den Rücken. Aber wie lange noch?

Rostock - Die bisherige Bilanz des FC Hansa Rostock im Kalenderjahr 2008 ist niederschmetternd. Saisonübergreifend gelangen den Ostseestädtern in 28 Punktspielen lediglich sechs Siege sowie acht Unentschieden. Die Hälfte der Begegnungen ging verloren. Anfang März hatte der FCH noch fünf Punkte Vorsprung auf einen Nichtabstiegsplatz in der 1. Bundesliga.

Trotzdem konnte der Absturz ins Fußball-Unterhaus nicht abgewendet werden. Und der Fall des ostdeutschen Traditionsklubs ging weiter. Aktuell rangiert der Verein auf dem elften Rang der 2. Liga, mit einem Polster von lediglich drei mageren Zählern auf den Abstiegs-Relegationsplatz. Trotz dieser negativen sportlichen Entwicklung scheint die Position von Chef-Coach Frank Pagelsdorf nahezu unumstritten zu sein.

Selbst nach den beiden jüngsten Pleiten gegen Greuther Fürth (1:2) sowie am zurückliegenden Wochenende in Oberhausen (0:1). „Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion. Frank Pagelsdorf wird gegen Osnabrück (nächster Hansa-Gegner am kommenden Sonntag 14 Uhr in der DKB-Arena – d. Red.) auf der Bank sitzen“, erklärte Rostocks Manager Herbert Maronn.

Sportliche Entwicklung stagniertIm Inneren präsentiert sich der Klub geschlossen, symbolisiert Einigkeit und dadurch Stärke. Von Außen nimmt der Druck auf die handelnden Personen jedoch immer mehr zu. Zumal sich Pagelsdorf an seinen Entscheidungen, Maßnahmen sowie Aussagen messen lassen muss. Alle Kicker des aktuellen Kaders wurden vom 50-Jährigen (seit 16. August 2005 im Amt) verpflichtet.

Aber gerade in den vergangenen zehn Monaten stagnierte die sportliche Entwicklung der Mannschaft, zeigte die Leistungskurve eher nach unten als nach oben. Trotzdem hält der Fußball-Lehrer am Saisonziel direkter Wiederaufstieg fest. Auf die Frage, wo der FC Hansa am Saisonende landet, antwortete er gestern: „Ganz oben. Das bedeutet für mich unter den ersten Drei. Aber es wird natürlich ein ganz beschwerlicher Weg. Wir müssen zunächst von Spiel zu Spiel denken.“

Woher Frank Pagelsdorf seinen Optimismus bezieht, ist angesichts der jüngsten Vorstellungen der Truppe nur schwer nachzuvollziehen. Auswärts gab es in sechs Partien (unter anderem bei allen vier Aufsteigern) keinen einzigen Erfolg, lediglich drei Punkteteilungen, und im vergangenen Heimspiel gegen Greuther Fürth verlor auch die Festung DKB-Arena ihren Nimbus. Als Elfter mit sechs Zählern Rückstand zum Aufstiegs-Relegationsplatz hinken die Rostocker nach knapp einem Saisondrittel ihren Ansprüchen meilenweit hinterher.

Dass die Mannschaft dabei gegen den Coach agiere und absichtlich schlecht spiele, wies dieser aber zurück. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt solch ein Gefühl. Das ist für mich nicht denkbar. Man kann der Truppe das Bemühen nicht absprechen. Sonst hätte es einen 9:0-Sieg nicht gegeben“, sagte „Pagel“ und hatte eine andere Erklärung parat: „Einige sind gedanklich noch nicht in der 2. Liga angekommen und dachten nach dem 9:0 gegen Koblenz, dass man alles spielerisch lösen kann.“ Etwaige Fitnessprobleme schloss er aus. „Die Spieler haben es vorher schon bewiesen, dass sie es können.“

Trainingsfreier Tag gestrichen: Analyse der Oberhausen-Pleite Auch wenn den erfahrenen Coach die gegenwärtige knifflige Situation nicht kalt lässt, ist er gewillt, einen Ausweg zu finden. „Das Spiel in Oberhausen hat mich ziemlich wütend gemacht. Das Zweikampfverhalten war dilettantisch. Aber daran werden wir arbeiten. In der 2. Liga wird viel robuster agiert. Es ist jetzt oberste Bürgerpflicht, den Kampf anzunehmen“, fordert Frank Pagelsdorf, der in den kommenden Wochen die Zügel anziehen will. Der für heute geplante freie Tag wurde gestrichen. „Wir treffen uns um 10 Uhr und analysieren die Partie von Oberhausen.“ Zudem gibt es in Zukunft keinen festen Trainingsplan mehr. „Wir werden das von Tag zu Tag entscheiden. Der Freizeitgedanke soll zunächst nach hinten geschoben werden. Es ist nötig, dass wir unsere Konzentration auf die aktuelle Situation sowie die kommende Aufgabe richten“, so der Hansestädter. Des Weiteren behält sich der Klub vor, eventuell vor dem kommenden Heimspiel gegen Osnabrück ein Kurztrainingslager abzuhalten. Auch zeitweilige Suspendierungen einiger Akteure (zum Training der Regionalliga-Truppe) sind denkbar.
Manager Herbert Maronn mit Appell an die Truppe
Manager Herbert Maronn richtete einen Appell an die Truppe: „Wir müssen jetzt einfach punkten. Ich habe viele Lippenbekenntnisse gehört. Doch die Leistung ist enttäuschend. Alle sagen, sie wollen hoch. Ich mache der Mannschaft da ganz klar einen Vorwurf.“

Dass sich das Festhalten an und Vertrauen in einen Trainer lohnen kann, bewies in dieser Saison Erstligist Eintracht Frankfurt. Friedhelm Funkel (u. a. von 2000 bis 2001 beim FC Hansa) stand nach acht sieglosen Partien zu Saisonbeginn gehörig unter Druck, bekam durch drei Erfolge in den vergangenen vier Spielen die Kurve.