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Mecklenburg-Vorpommern Auch wenn Familienmitglied Coronarisiko hat - Lehrer müssen in die Schule

Von Iris Leithold (dpa) | 24.04.2020, 12:18 Uhr

Die Wiederöffnung der Schulen in MV wirft viele Fragen auf. Jetzt stellte das Bildungsministerium klar, dass auch Lehrer mit Angehörigen zu Hause aus der Risikogruppe unterrichten müssen. Dennoch ist das Personal knapp.

Im Unterschied zu Schülern müssen Lehrer auch dann in die Schule, wenn ein Familienmitglied zu Hause zur Corona-Risikogruppe zählt. Das hat das Bildungsministerium am Freitag klargestellt.

Bei Schülern Schutzvorkehrungen ausgeweitet

Die Beschäftigten seien aus eigener Veranlassung ein Dienstverhältnis eingegangen, hieß es. Bei Schülern sehe das anders aus. Deren Schulpflicht stehe in einem stetigen Spannungsverhältnis zum Erziehungsrecht der Eltern. Bei Schülern seien die Schutzvorkehrungen deshalb ausgeweitet worden. Sie können nach der Möglichkeit zur Rückkehr in die Schule auf Antrag weiter zu Hause Fernunterricht erhalten, wenn ein Haushaltsangehöriger zur Corona-Risikogruppe gehört.

Lehrer hingegen sollen laut dem Hygieneplan des Bildungsministeriums nur dann bis Schuljahresende nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden, wenn sie selbst Vorerkrankungen haben, die einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Krebs, Diabetes und Herzleiden. Über 60-Jährige und Schwangere können freiwillig im Präsenzunterricht arbeiten.

Wie der NDR unter Berufung auf das Bildungsministerium berichtete, gehört etwa ein Drittel aller Lehrer aufgrund des Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einer großen Herausforderung. „Wir haben weniger Lehrkräfte vor Ort. Wir brauchen mehr Räume, weil wir Lerngruppen trennen - das bedeutet, wir brauchen für eine Klasse vielleicht zwei Lehrer, manchmal sogar mehr", sagte sie dem NDR. Daher könnten nicht alle Schüler zu allen Zeiten in den Schulen sein und der Unterricht werde auch nicht in der gewohnten Weise stattfinden können.

Vielzahl von Anfragen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte unterdessen, den freiwilligen Einsatz von Lehrkräften eindeutig zu regeln und verwies auf eine Vielzahl von Anfragen dazu. „Wir befürchten, dass es hier zu einem hohen Druck bei den Betroffenen kommt und diese sich, trotz berechtigter Sorge um ihre Gesundheit, zum Präsenzdienst melden", heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

Der zwischenzeitlich zurückgezogene Vordruck des Ministeriums habe keine Einschränkungen von Tätigkeiten und auch keine Widerrufsmöglichkeit zur Freiwilligkeit vorgesehen. Beides aber müsse möglich sein, wenn sich jemand freiwillig zum Präsenzdienst meldet, betonte der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm. Die GEW empfahl Angehörigen von Risikogruppen ausdrücklich, sich mit dem Hausarzt oder einem Facharzt über einen freiwilligen Einsatz in der Schule zu beraten.

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