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Neubrandenburg Asylbewerber mit Messer attackiert - Haft für Zuwanderer

Von Winfried Wagner/dpa | 06.02.2019, 16:02 Uhr

Ein Zuwanderer aus Afghanistan hat vor Gericht zugegeben, mehrfach Asylbewerber mit Messern attackiert und verletzt zu haben. Nun muss er zweieinhalb Jahre in Haft. Der Verurteilte ist eigentlich ausreisepflichtig.

Wegen mehrerer Gewaltattacken auf Asylbewerber in Vorpommern muss ein Mann aus Afghanistan zweieinhalb Jahre in Haft. Das Landgericht Neubrandenburg sprach den 27-Jährigen am Mittwoch der dreifachen gefährlichen Körperverletzung schuldig.

„Ihr Motiv war immer Rache und Selbstjustiz. “
Richter Patrick Schwantes

Der Verurteilte habe jedes Mal die Gelegenheit gehabt, den Streit auf sich beruhen zu lassen, dann aber immer versucht, sich zu rächen, so der Richter.

Angeklagter fühlte sich provoziert

Der Verurteilte, der seit 2013 in Deutschland ist, hatte vor Gericht alle drei Angriffe mit Messern und abgebrochenen Flaschen in Anklam und Greifswald von 2017 und 2018 zugegeben. Er sei in allen Fällen angetrunken gewesen, aber auch provoziert worden und habe die Geschädigten nicht töten wollen. Bei den Attacken wurden zwei Syrer und ein Mann aus Sierra Leone verletzt.

Mit dem Urteil blieb die Kammer etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Freiheitsstrafe gefordert hatte. „Der Angeklagte handelt immer nach dem gleichen Verhaltensmuster: Er trinkt zuviel Alkohol und greift dann zum Messer“, sagte Staatsanwalt Andreas Gentz. Vom ebenfalls angeklagten Vorwurf des versuchten Totschlags war Gentz aber abgerückt. Verteidiger Dirk Pegelow hatte ein Jahr Haftstrafe für seinen Mandanten als ausreichend erachtet.

Abschiebung scheiterte an fehlenden Papieren

Der Angeklagte hatte im Juli 2017 in Anklam und im Juli 2018 in Greifswald Asylbewerber aus Syrien und Sierra Leone mit Messern attackiert und verletzt. Die zweite Tat ereignete sich in einem Flüchtlingsheim. Dort gab es Aufnahmen einer Überwachungskamera, die im Gericht gezeigt wurden. Dort verhinderte ein Wachmann, dass der Angeklagte das Opfer aus Sierra Leone noch schwerer verletzte. Das Ganze erinnere „an eine Menschenjagd“, sagte Gentz.

Im Prozess wurde bekannt, dass der Angeklagte nach seiner zweiten Tat bereits an einem Amtsgericht angeklagt war. Der Richter verwies den Fall aber an das Landgericht. Inzwischen wurde der Mann, der viele Jahre im Iran gelebt hatte, ausreisepflichtig. Wegen fehlender Papiere scheiterte eine Abschiebung aber.

Fünf Tage später ereignete sich der dritte Vorfall, wobei der Angeklagte im Museumshafen Greifswald deutsche Studenten und Syrer mit einer abgebrochenen Flasche attackierte und einen Syrer verletzte. Seither war er in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.