Ein Angebot des medienhaus nord

Schwerin Antworten aus erster Hand

Von Kathrin Neumann | 18.10.2009, 06:58 Uhr

Welche Anforderungen muss ich erfüllen? Welcher Schulabschluss ist nötig? An wen kann ich meine Bewerbung schicken? Antworten auf diese und andere Fragen rund um Ausbildung und Berufswahl konnten Jugendliche beim 12. Lehrstellentag unserer Zeitung am Sonnabend im Verlagshaus auf dem Großen Dreesch in Schwerin stellen. Konkrete Antworten bekamen sie und ihre Eltern von Personalleitern, Ausbildern, Mitarbeitern und Auszubildenden von fast 80 Unternehmen, Institutionen und Berufsschulen aus der Region.

Mit ruhiger Hand lötet Tobias Schöbe den kleinen Draht fest. Neben ihm sitzt Anja Podlecki. Sie gibt Tipps, passt auf und erzählt von ihrer Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme bei der Hoffrichter GmbH Schwerin. Das könnte auch für Tobias etwas sein. Schließlich bastelt er in seiner Freizeit oft elektronische Baugruppen zusammen. "Aber ich habe mich noch nicht festgelegt", sagt der Zehntklässler. "Ein technischer Beruf soll es jedoch auf jeden Fall sein." Gemeinsam mit seinen Eltern war er zum Lehrstellentag unserer Zeitung und der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin in das Verlagshaus auf dem Großen Dreesch in Schwerin gekommen, um sich über die Ausbildungsmöglichkeiten in unserer Region zu informieren. Insgesamt nutzten knapp 1000 Besucher dieses Angebot.

80 Stände vom Foyer bis in das DruckzentrumVom Foyer bis in die Druckerei reihte sich Informationsstand an Informationsstand - insgesamt rund 80 Unternehmen, Berufsschulen und Institutionen stellten ihre Ausbildungsangebote vor. Von A wie Altenpfleger über M wie Molkereifachmann bis Z wie Zerspanungsmechaniker reichte das Spektrum der Berufe. "Es sind alle Berufsrichtungen dabei. Die Leute an den Ständen sind nett und beraten gern", sagte die 15-jährige Stefanie Kagel aus Rastow. Sie hatte ursprünglich Immobilienkauffrau als Ausbildungsberuf ins Auge gefasst. "Jetzt finde ich eine Arbeit bei einer Krankenkasse viel interessanter und vielleicht auch die Polizei." Ihr nächstes Praktikum will sie auf jeden Fall in einer dieser Branchen absolvieren.

"Zu unseren Aufgaben als Medienunternehmen gehört es, jungen Menschen die Chance zu geben, sich in der Berufswelt zu orientieren", betonte Bernd Bleitzhofer, Geschäftsführer des Zeitungsverlages Schwerin mit den Titeln "Schweriner Volkszeitung", "Norddeutsche Neueste Nachrichten" und "Der Prignitzer". "Dabei ist es besonders wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie in unserem Land eine Ausbildung machen und danach auch in unserem Land arbeiten können." Aktuelle Statistiken bestätigen das. So war die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr zum ersten Mal höher als die Zahl der Bewerber. Eine besondere Herausforderung für Unternehmen, die ihren Fachkräftebedarf der Zukunft absichern müssen. "Für uns geht es deshalb heute nicht nur darum, als Sparkasse Mecklenburg-Schwerin präsent zu sein", erklärt Vorstandsvorsitzender Diedrich Baxmann. "Für uns ist es genauso selbstverständlich, gemeinsam mit der Zeitung anderen Unternehmen ein Forum zu bieten, sich als Ausbildungsbetrieb vorzustellen."

Auch wenn die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz besser denn je sind, ein Grund, sich bis zum Ende der Schulzeit entspannt zurückzulehnen, sind sie nicht. Sich früh zu informieren und sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren, bleibt weiter Voraussetzung, um nicht irgendeinen, sondern den Wunschberuf zu bekommen. "Es gibt ganz viele Schüler, die schon mehrere, auch freiwillige Praktika gemacht haben", sagte Carola Paepke, Ausbildungsleiterin der Sparkasse. "Sie signalisieren damit Interesse für verschiedene Branchen, haben in unterschiedlichen Teams gearbeitet und bringen diese Erfahrungen mit." Aber nicht nur das. Ein Praktikum eröffnet auch Schülern mit weniger guten Noten Chancen.

Praktikum als Eintrittskarte in den Wunschberuf"Vom Papier her würden wir einen Schüler mit einer Vier wahrscheinlich nicht nehmen", erklärte Sandra Stiegler-Kachel, Personalleiterin der Hoffrichter GmbH. "Wenn wir in einem Praktikum aber gesehen haben, dass er Fingerfertigkeit und eine gute Feinmotorik hat und motiviert ist, könnte er doch eine Chance bekommen." Prinzipiell stelle man lieber Jugendliche ein, die man in einem Praktikum schon kennen gelernt hat.

Wie wichtig ein Praktikum ist, betonte auch Tina Brockmüller, Auszubildende im 3. Jahr an den Helios Kliniken Schwerin. "Erst dann sieht man, ob Krankenschwester wirklich der richtige Beruf ist. Die Nähe zu den Patienten verträgt nicht jeder."

Wie Tina Brockmüller standen auch an anderen Info-Ständen Auszubildende. Sie konnten von ihren Erfahrungen berichten und beantworteten gemeinsam mit Personalleitern und Ausbildern die vielen Fragen der künftigen Schulabgänger. Wie komme ich zu einem Praktikum in dem Betrieb? Wie stehen die Chancen auf Übernahme nach der Ausbildung? Wo findet der Berufsschulunterricht statt? Wann kann ich mich bewerben?

Wie eine Bewerbung aussehen sollte, brachte Carola Paepke auf den Punkt: "Sauber, ordentlicht und gut gegliedert, damit man auf einen Blick sieht, was das für ein Bewerber ist." Wichtig ist nach ihrer Ansicht vor allem eines: "Dass die jungen Leute die Aktivität vom Lehrstellentag mitnehmen." Denn an Aktivität mangele es bei vielen.