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Ausspruch von Alexander Dobrindt "Anti-Abschiebe-Industrie" zum "Unwort des Jahres" gewählt

Von dpa | 15.01.2019, 14:02 Uhr

Alexander Dobrindt hatte es in einem Interview genutzt: "Anti-Abschiebe-Industrie" ist das neue "Unwort des Jahres".

Das "Unwort des Jahres" 2018 heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Das gab die Sprecherin einer unabhängigen und sprachkritischen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt bekannt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte den Begriff genutzt. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte er, wer mit Klagen versuche, die Abschiebung von Kriminellen zu verhindern, arbeite nicht für das Recht auf Asyl, sondern gegen den gesellschaftlichen Frieden. "Es ist nicht akzeptabel, dass durch eine aggressive Anti-Abschiebe-Industrie bewusst die Bemühungen des Rechtsstaates sabotiert und eine weitere Gefährdung der Öffentlichkeit provoziert wird." Für diese Aussage hatte der CSU-Politiker viel Kritik einstecken müssen.

Janich sagte, eine solche Äußerung von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei zeige, "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern."

Dobrindt: "Debatten brauchen auch zugespitzte Begriffe"

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat relativ gelassen auf die Entscheidung reagiert. Er sagte am Dienstag in Berlin, in der Debatte, die im vergangenen Jahr – über die Flüchtlingspolitik – geführt worden sei, sei es um die Beschreibung eines Sachverhaltes gegangen. Es sei eine "Debatte in der Sache" gewesen, und "Debatten brauchen auch zugespitzte Begriffe".

Für diesen Begriff sei er auch verklagt worden, sagte Dobrindt weiter. Doch das Gericht habe die Klagen abgewiesen und bestätigt, dass weder eine "Schmähkritik" vorliege noch eine persönliche Beleidigung. Es gehe dem Beschuldigten, also Dobrindt, um die Sache, so das Gericht.

508 verschiedene Begriffe waren als Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen. Nur etwa 60 davon entsprachen aber überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Knapp 15 Wörter habe die Jury in die engere Wahl einbezogen.

Weniger Einsendungen als in anderen Jahren

Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sei. Für das Jahr 2016 war die Wahl auf "Volksverräter" gefallen, für 2017 auf "Alternative Fakten".

Im Vergleich zu den Vorjahren beteiligten sich diesmal etwas weniger Menschen an der sprachkritischen Aktion. Insgesamt knapp 900 Vorschläge, darunter zum Teil dieselben Begriffe, waren bis zum Einsendeschluss am 31. Dezember eingegangen, wie Janich sagte. Seit Mitte der 1990er Jahre waren sonst stets mehr als 1000 Einsendungen gezählt worden, in einigen Jahren sogar mehr als 2000. Das neue "Unwort des Jahres", Anti-Abschiebe-Industrie, war zehn Mal eingesendet worden.