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Krankenhäuser und Kassenärzte streiten über Kostenübernahme Ambulante Notfallpatienten werden zum Notfall

Von Karin Koslik | 05.08.2011, 11:02 Uhr

Wer ist zuständig für die Versorgung von Notfallpatienten? Über diese Frage streiten die Krankenhausgesellschaft MV und die Kassenärztliche Vereinigung des Landes seit Monaten.

Wer ist zuständig für die Versorgung von Notfallpatienten - und wer bekommt entsprechend dafür die Vergütung? Über diese Frage streiten die Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV) und die Kassenärztliche Vereinigung des Landes (KVMV) seit Monaten erbittert. Hintergrund des Streits sind "tausende Fälle in Mecklenburg-Vorpommern, in denen Patienten statt zum Kassenärztlichen Notdienst in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen", so KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow. Geschieht das zu Zeiten, in denen die Patienten auch einen niedergelassenen Arzt konsultieren könnten, verweigert die KVMV dafür die Bezahlung.

Ambulant vor stationär

Die Kassenärzte verweisen dabei auf ihren Sicherstellungsauftrag - und den Grundsatz "Ambulant vor stationär.". "Wir halten außerhalb der Sprechzeiten einen flächendeckenden Bereitschaftsdienst vor", betont Kassenärzte-Chef Dr. Wolfgang Eckert. "Dennoch werden auch alle in dieser Zeit in Krankenhäusern auflaufenden Fälle bezahlt." Das betreffe in der Regel die Zeit von 17 bis 8 Uhr , in einzelnen Regionen gebe es Abweichungen. Viele Patienten würden aber auch tagsüber, wenn die Praxen geöffnet sind, mit Bagatellfällen gleich ins Krankenhaus fahren - in solchen Fällen müsse die KV die Honorierung verweigern, da die Patienten ja die Möglichkeit hätten, einen niedergelassenen Arzt zu konsultieren, betont Eckert. Ausnahmen gebe es bei Kindern, älteren multimorbiden Patienten und echten Notfällen - für sie würde immer gezahlt.

Gagzow hält diese Unterscheidung für lebensfremd: Schließlich würden viele Patienten überfüllte Wartezimmer bei niedergelassenen Ärzte kennen, die an der Belastungsgrenze arbeiteten. Außerdem könne ein Patient oft gar nicht einschätzen, wie schwer krank er ist und ob er entsprechend ambulant oder im Krankenhaus behandelt werden muss. Und schließlich: "Wo das nächste Krankenhaus steht, weiß jeder - wer gerade Bereitschaftsdienst hat aber nicht. Als Alternative bliebe, die 112 zu wählen - nur würde das noch viel teurer werden."

Auch wenn in den Krankenhäusern bekannt sei, dass für die notfallmedizinische ambulante Versorgung die Kassenärzte zuständig seien, dürften sie doch keinen Patienten, der eine Behandlung begehrt, ungeprüft wegschicken, betont Gagzow. "Die Ärzte müssen vielmehr in jedem Einzelfall entscheiden, ob das medizinisch zu verantworten ist. Sehen sie Risiken, sind sie zur Notfallversorgung verpflichtet - auch wenn das Krankenhaus für die Prüfung und Behandlung derzeit keine Vergütung erhält."

Nur Gewinnmaximierung zählt

Bereits im April hat der KGMV-Chef sich deshalb an die KVMV gewandt. Doch sei er, so formuliert Gagzow drastisch, im Regen stehen gelassen worden.

"Wir haben eine Pauschale für die Behandlung leichter Fälle angeboten, aber die war der Krankenhausgesellschaft zu niedrig", hält Eckert dagegen, und schiebt gleich noch nach, dass die Krankenhausgesellschaft ein eingetragener Verein und keine Rechtskörperschaft sei; deshalb sei sie vom Gesetz her gar nicht zu Verhandlungen berechtigt. Dennoch würde verhandelt - mit den einzelnen Kliniken. Vielerorts sei man schon zu sehr guten Notdienstvereinbarungen gekommen, in Hagenow, Ludwigslust oder auf Rügen beispielsweise. Auch mit den beiden großen Rostocker Krankenhäusern klappte die Zusammenarbeit bei der notärztlichen Versorgung reibungslos. "Nur überall da, wo große Ketten hinter den Häusern stehen, kommen wir zu keiner Übereinkunft", bedauert Eckert. "Für die zählt nur die Gewinnmaximierung."

In den neuen Kooperationsmöglichkeiten - mit Reha-Kliniken, aber auch mit Krankenhäusern -, die das in dieser Woche auf den Weg gebrachte Versorgungsgesetz den niedergelassenen Ärzte eröffnet, sieht Eckert Chancen, die Situation zu entspannen - im Sinne der Patienten. Auch Gagzow ist davon überzeugt: "Wir können das Problem - wie überhaupt die medizinische Versorgung in der Zukunft - nur mit den niedergelassenen Ärzten zusammen lösen." Versöhnliche Töne?