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Schnäppchentag ist Streiktag Amazon Prime Day 2019 hat begonnen – und mit ihm die Streiks

Von dpa und afp | 15.07.2019, 09:08 Uhr

Amazon lockt am Prime Day 2019 mit Sonderangeboten. Die Gewerkschaft Verdi ruft an diesem Tag zu Streiks auf.

Zum traditionellen Schnäppchentag beim Versandhändler Amazon sind Beschäftigte an sieben Standorten in Deutschland in den Streik getreten, um bessere Löhne durchzusetzen. Die Arbeitsniederlegungen begannen in der Nacht auf Montag, wie Orhan Akman von der Dienstleistungsgesellschaft Verdi der Nachrichtenagentur AFP sagte. (Lesen Sie auch: Amazon Prime Day: In Wahrheit eine Kostenfalle?)

Verdi will Tarifverträge

Amazon hatte im Vorfeld erklärt, dass der Streikaufruf keinen Einfluss auf die Lieferungen an die Kunden haben werde. "Die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal", erklärte ein Konzernsprecher. "Die Pakete kommen an." (Weiterlesen: Nazi-T-Shirts bei Amazon: Versandhändler will Produkte überprüfen)

Verdi fordert für die Amazon-Beschäftigten Tarifeinkommen wie im Einzel- und Versandhandel. Dafür solle Amazon regionale Flächentarifverträge anerkennen. Der Streikbeginn fällt zusammen mit dem sogenannten Prime Day, an dem Amazon mit starken Rabatten lockt.

„Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim Prime Day zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten.“
Verdi-Handelsexperte Akman

Die Rabatte an die Kunden lasse sich Amazon "durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen", beklagte der Gewerkschafter. "Damit muss Schluss sein." Das Unternehmen müsse endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen, die Löhne und Gehälter bei Amazon dürften nicht länger "nach Gutsherrenart bestimmt" werden.

Deutschlandweite Streiks

Gestreikt wird nach Verdi-Angaben an den Amazon-Standorten in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz sowie an den zwei Standorten in Bad Hersfeld. Der Ausstand steht unter dem Motto "Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen". Der Konzern wies die Forderungen der Gewerkschaft zurück. "Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", erklärte ein Unternehmenssprecher. "Amazon bietet ein kollegiales Umfeld und attraktive Löhne."

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Verdi wiederum argumentierte, dass das Geld für eine bessere Bezahlung der Amazon-Mitarbeiter "vorhanden" sei. Die Gewerkschaft verwies dazu darauf, dass Amazon allein im ersten Quartal dieses Jahres nach eigenen Angaben weltweit einen Rekordgewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erzielt habe.

13.000 Angestellte in Deutschland

Der Konzern teilte mit, er bezahle in seinen deutschen Logistik-Zentren "am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich" sei. In Deutschland begännen die Amazon-Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet mindestens 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten seien es im Durchschnitt 2397 Euro brutto im Monat.

Verdi kämpft seit mehr als sechs Jahren um einen Tarifvertrag und Lohnerhöhungen. In ganz Deutschland hat Amazon zwölf Warenlager an elf Logistikstandorten und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 13.000 Angestellte.

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