Ein Angebot des medienhaus nord

Beate Schneider aus Zülow Als Au-Pair-Oma nach Kambodscha

Von Michael Beitien | 01.11.2012, 12:13 Uhr

Au-Pair ist nicht nur etwas für die Jugend. Die 61-jährige Beate Schneider aus Zülow geht für ein Jahr als Au-Pair-Großmutter nach Kambodscha in Asien.

Ein Jahr lang als Au-Pair, also als Kindermädchen, ins Ausland. Das ist offenbar nicht nur etwas für die Jugend. Die 61-jährige Beate Schneider aus Zülow zieht es als Au-Pair-Großmutter nach Kambodscha in Asien. Am morgigen Freitag geht ihr Flug.

Die unternehmungslustige Frau, die in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist, war bereits im Alter von 20 Jahren Au-Pair in London. Danach hatte sie einen Traum: "Wenn ich Rentnerin bin, werde ich Au-Pair-Oma in New York."

Als die ehemalige Chefsekretärin dann vor einem Jahr in den Ruhestand ging, recherchierte sie und stieß auf eine Organisation, die Au-Pair-Großmütter vermittelt. "Ich wollte nie nach Südostasien", sagt sie. Doch für New York gab es kein Angebot.

Ursprünglich hatte sie auch die Idee, zusammen mit ihrem Mann Horst Ulbricht über die kalte Jahreszeit eine lange Reise zu unternehmen. Das hatten die beiden schon einmal über zwei Jahre gemacht - mit einem VW-Bus quer durch Europa. Doch ihr Mann, der in den vergangenen Jahren das Haus in Zülow fast vollständig mit der eigenen Hände Arbeit hergerichtet hat, wolle nicht mehr eine solche Reise unternehmen, so die 61-Jährige.

"Ich finde das sehr gut", unterstützt Horst Ulbricht aber die Pläne seiner Frau. Es sei schließlich ihr Traum. Evt. löse er sie ja einmal als Au-pair-Opa ab, scherzt er. Für den Kontakt über die nächsten Monate bleibt den beiden das Telefon und das Internet. Die Video-Telefonie (Skype) haben beide zu Hause von Zimmer zu Zimmer ausprobiert. So soll es auch über die weiter Entfernung von Europa nach Asien funktionieren.

Beate Schneider kennt bereits die Familie, in der sie das nächste Jahr leben wird. Die Frau, eine Kanadierin, die bei einer internationalen Organisation in Phnom Penh arbeitet. Der Mann, ein Deutscher, der durch seine Tätigkeit zwischen der kambodschanischen Hauptstadt und Europa pendelt. Das Kind, ein dreijähriger Junge. Der spricht nicht nur die englische Sprache der Mutter, sondern auch das Deutsch des Vaters. Genau darum geht es der Familie. Sie will, dass der Dreijährige auch bei Abwesenheit seines Vaters Deutsch nicht verlernt. Deshalb haben bereits zwei Au-Pair-Großmütter aus Deutschland in der kleinen Familie in Kambodscha gelebt. Nach einem Klick im Internet war die Verbindung zu Beate Schneider vor Monaten plötzlich hergestellt. Man tauschte nette E-Mails aus, dann kam der telefonische Kontakt zustande und schließlich im August ein Treffen mit der Familie in Hannover.

"Mal etwas anderes tun", bezeichnet Beate Schneider die Herausforderung. Sie habe ein Leben lang im Büro gearbeitet. Für sie, die selbst keine Kinder und Enkel hat, ist es spannend, dem Dreijährigen etwas beizubringen. Das Leben in der Familie sei ideal. Dort sei sie aufgehoben, werde versorgt, habe Kontakte und erlebt das Land nicht aus der Sicht eines Touristen, hat aber trotzdem 30 Tage Urlaub in der Zeit zum Reisen.

Beate Schneider hat sich auch vorher Auszeiten genommen, um etwas ganz anderes zu unternehmen. So war sie beispielsweise vier Monate lang in Neuseeland. Das letzte Mal hat sie für einen Aufbruch in die Ferne im Alter von 55 Jahren ihren Job gekündigt. Sie berichtet: "Alle haben gesagt, Beate du spinnst... In deinem Alter, da kriegst du nie wieder einen Job." Einmal habe sie dagegen gewettet und eine Kiste Champagner gewonnen, so die Zülowerin. Sie habe immer wieder Arbeit gefunden und war in verschiedenen Berufen tätig, erzählt sie.

Ihre erste Au-Pair-Stelle vor vier Jahrzehnten in London hatte sie vor alle allem auch deshalb angetreten, um die englische Sprache zu lernen. "Ich kann das nur jedem empfehlen", so ihre Erfahrung nach dem Auslandsjahr. Das gehe ohne Vokabeln und Grammatik zu pauken. Mittlerweile besitzt die Frau u.a. eine international anerkannte Befähigung, um Englisch zu lehren. Möglicherweise - so sagt sie kurz vor ihrem Abflug - kann sie ja ein Englisch-Projekt mit Straßenkindern in Kambodscha in Angriff nehmen.