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Die Macher Alles schwingt

Von DRAH | 29.01.2018, 05:00 Uhr

Sie sorgt dafür, dass Autos nicht schlingern, Brücken nicht wackeln: Kerstin Kracht aus Westmecklenburg ist Schwingungstechnikerin

Wer glaubt, irgendetwas sei wirklich starr, der irrt. „Alles schwingt“, sagt Kerstin Kracht. Das hat Folgen: Autos schlingern, Brücken wackeln, Waren kippen von Transportbändern. Und auch Kunst gerät in Gefahr: „Direkt vor dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam zum Beispiel finden oft Konzerte statt. Die Schwingungen und Schallwellen wirken sich drinnen auf die Bilder aus – so sehr, dass sich Farbpartikel ablösen können.“

Dämpfer, Federn oder andere Vorrichtungen können in solchen Fällen helfen. Auf dieses Gebiet hat sich noch kaum jemand spezialisiert, weltweit gibt es nur eine Handvoll Fachleute – Kerstin Kracht ist eine davon. Doch es ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten: „Klimaanlagen in Museen sind heutzutage gang und gäbe. Doch an Schwingungsschutz wird nicht gern gedacht, obwohl es dafür Lösungen gibt. Aber sie werden zu selten genutzt, denn sie kosten Geld.“

Kerstin Kracht wuchs in Schwaberow bei Hagenow auf. In Berlin hat sie drei Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert, später auf Physikalische Ingenieurwissenschaft umgesattelt. Nach Stationen als Wissenschaftlerin in Berlin, als Lehrerin in Schwerin und als Ingenieurin in einem Hamburger Umweltprüflabor ist sie nun selbstständig. Die Schwingungstechnikerin findet Lösungen für Probleme, die oft nicht auf den ersten Blick zu sehen sind.

Förderbänder zum Beispiel bewegen Waren, das hält manche Dose nicht aus und wird beschädigt. Um das auszuschließen, müssen Transport und Verpackung optimiert werden. „Zuerst werden die Schwingungen und Stöße gemessen und analysiert. Dann wird geschaut, wie sie sich auf das Objekt auswirken“, erklärt die 37-Jährige. Lösungsmodelle entstehen am Computer, werden später in Tests ausprobiert. Sie schaffen Abhilfe, kosten aber Geld. Deshalb spielt immer eine Rolle, wie machbar und effizient die Ideen sind.

Bei dem Schritt in die Selbstständigkeit wurde Kerstin Kracht vom Forschungsverbund MV (FMV) unterstützt. „Mit dessen Hilfe konnte ich Fördermittel beantragen, auch meine Idee und mein Businessplan wurden geprüft – und für gut befunden.“

Heute lebt die Ingenieurin wieder in Schwaberow. Von hier aus reist sie zu ihren Auftraggebern in ganz Europa. Außerdem hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.