Ein Angebot des medienhaus nord

Landwirtschaft MV Agrarhilfen: Entgelt statt Pauschale

Von ROTH | 05.12.2017, 06:00 Uhr

Backhaus-Plan sieht EU-Geld nur noch für konkrete Gegenleistungen vor

Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen auf dem Acker und in der Umwelt: Deutschlands dienstältester Agrarressortchef, Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), drängt in der Debatte um die Neuordnung der EU-Agrarpolitik auf eine deutliche Kurskorrektur der milliardenschweren Agrarförderung in der Europäischen Union. In einem erstmals in Europa in dieser Form gestern in Brüssel vorgestellten detaillierten Eckpunkte-Papier schlägt er in einem Zwei-Säulen-Modell den Wechsel von der bisherigen Pauschalförderung hin zu einem Leistungsentgelt vor. Angesichts des zu erwartenden sinkenden EU-Haushaltes müssten sich die Bauern in den kommenden Jahren auf Kürzungen einstellen. „Ein ,Weiter so’ wird es nicht geben“, meinte Backhaus. Die Gesellschaft sei immer weniger bereit, pauschale Agrarhilfen zu akzeptieren. Das bisherige System der kaum zielorientierten Direktzahlungen sei agrarökonomisch falsch und umweltpolitisch verfehlt.

In dem Backhaus-Plan wird vorgeschlagen, ab 2020 die derzeit von Brüssel gezahlte Basisprämie von 272 Euro je Hektar in eine Grundprämie von 100 Euro umzuwandeln, die mit weiteren Zuschüssen für zusätzliche Leistungen aufgestockt werden kann. So soll es neben der europaweit geltenden Grundförderung von den Mitgliedsländern selbst festgelegte Extrahilfen für Junglandwirte und kleinere Betriebe geben. Zudem sollen in benachteiligten Gebieten europaweit weitere 25 Euro je Hektar und eine Tierprämie von 70 Euro je so genannter Großvieheinheit gezahlt werden. Zudem könnten für verschiedene Öko-Leistungen Beihilfen gezahlt werden, die nicht nur wie bisher betriebliche Nachteile ausgleichen, sondern um bis zu 30 Prozent über dem bisher kalkulierten Mehraufwand liegen sollen. Die Landwirte könnten wie aus einem Produktkatalog wählen und würden für konkrete Leistungen von der Gesellschaft bezahlt. „Ein Paradigmenwechsel“, erklärte Backhaus gegenüber unserer Zeitung. Die bisher gewährte, ohne Leistungs- und Verdienstanreiz gezahlte Agrarförderung habe auf einem Verlust- und Aufwandsausgleich basiert – ohne großen Nutzen für die Realisierung europäischer Umweltziele. Künftig sollten Beihilfen nicht mehr pauschal, sondern für konkrete Gegenleistungen gezahlt werden. „Das Modell kann in ganz Europa funktionieren“, so Backhaus.