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Mecklenburg-Vorpommern Advent, Advent, die Bahn wird teurer

Von Harald Rohde & Sascha Meyer, dpa | 13.10.2011, 08:23 Uhr

Die kurze Preiserhöhungs-Pause endet am 11.

Dezember. Wenn die Bahn am dritten Advent ihre Fahrpläne umstellt, bringt das für Millionen Reisende eine unerfreuliche Bescherung: Tickets werden teurer. In ICE und Intercity verlangt der bundeseigene Konzern 3,9 Prozent mehr, nachdem die Fernverkehrstarife 2010 ausnahmsweise stabil geblieben waren - nach Ärger über diverse Technikpannen. Im Nahverkehr sollen es 2,7 Prozent mehr werden.Fahrgastvertreter kritisieren die Anhebung – zumal neue Probleme im Winter nicht völlig auszuschließen seien, trotz massiver Vorkehrungen der Planer. „Es ist ein Skandal, dass Fahrgäste mehr Geld für ein nicht optimal funktionierendes Bahnangebot zahlen müssen“, kritisierte Heidi Tischmann, Bahnexpertin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Außerdem habe es der Verkehrsriese eigentlich gar nicht nötig, die Preise zu erhöhen.Vorstandschef Rüdiger Grube hatte gerade erst stolz verkündet: „Wir sind das einzige Bahnunternehmen Europas, das in der Krise Gewinne gemacht hat.“ 2011 hat der Konzern vor Zinsen und Steuern mehr als zwei Milliarden Euro Plus als Erwartung am Horizont stehen.Dass Preiserhöhungen nicht populär sind, wissen auch die Manager im Berliner Bahntower. „Moderat“ sei die nun beschlossene Anhebung, erläutert Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Und verweist zur Begründung auf höhere Personal- und Energiekosten. Tatsächlich muss sich die Bahn als größter Stromverbraucher der Republik auf eine saftigere Energierechnung einstellen, auch wegen des beschleunigten Atomausstiegs. „Einen Verzicht auf Preiserhöhungen kann man sich nicht jedes Jahr leisten“, hatte Grube schon vorgewarnt.Neuen Ärger mit der inzwischen ziemlich leicht reizbaren Kundschaft will die Bahn aber tunlichst vermeiden. An beliebten Sondertickets für Schnäppchenjäger etwa zu 29 Euro rütteln die Planer nicht. Diese dienen auch zur Steuerung. Schließlich haben viele Kunden schon die Erfahrung gemacht, dass Züge zu bestimmten Zeiten brechend voll sind, andere dagegen – oft spät vormittags – leer. „Über Sparkontingente versuchen wir, Reisende in eher dünn besetzte Züge zu bekommen“, sagt Homburg. Zwiespältige Reaktionen dürfte die Neuerung in punkto Reservierung auslösen. Denn längere Fahrten ohne sicheren Sitzplatz mag kaum noch jemand wagen. Künftig kosten Reservierungen einheitlich 4 Euro. Wer dies bisher selbst am Automaten oder im Internet erledigte, muss künftig satte 1,50 Euro mehr zahlen – mit Beratung am Schalter sind es jedoch 50 Cent weniger. „Die Angleichung begrüßen wir“, sagt VCD-Expertin Tischmann. „Aber nicht auf dem hohen Niveau.“ Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, kann die Motive der Bahn durchaus nachvollziehen. Denn ihr machten Luftbuchungen zu schaffen. Manche Reisende reservierten bisher gleich für mehrere Züge Sitzplätze, wenn sie noch nicht wüssten, welchen Zug sie nehmen wollten. Folge: Die einmal geblockten Sitze können nicht mehr verkauft werden.Vom Bund als Eigentümer bekam die Bahn Rückendeckung für das Drehen an der Preisschraube. Er erwarte, „dass sie wirtschaftlich arbeitet“, sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer. Das Geld müsse aber auch für Investitionen dienen.Die nächste Bewährungsprobe naht: Für den Winter rüstet sich die Bahn mit einem 70 Millionen Euro schweren zusätzlichen Vorsorgepaket, damit Reisende nicht wieder massenhaft unter Ausfällen und Verspätungen leiden. Wegen viel häufigerer Prüf-Intervalle sind die ICE-Fahrzeugreserven aber weiter knapp. Ein „hundertprozentiges Leistungsversprechen“ können die Manager sehr zum eigenen Ärger denn auch nicht abgeben.