Ein Angebot des medienhaus nord

70 Jahre SVZ: Die Verleger Wem gehört die SVZ?

Von Michael Seidel | 01.07.2022, 06:59 Uhr

Wem gehört eigentlich die SVZ? Und wie ist sie geworden, was sie heute ist? Ein Erklärstück von Chefredakteur Michael Seidel.

Mancher Zeitgenosse meint, die „Schweriner Volkszeitung“ aus dem medienhaus:nord sei gar nicht so unabhängig, wie sie im Untertitel behaupte. Letztlich gehörten Zeitungen doch irgendwie einer Partei oder Regierung. Das bedarf nicht nur anlässlich unseres Jubiläums einer Klarstellung.

Historisch stimmt der Vorwurf natürlich: Gegründet wurde die „Volkszeitung“ dereinst als „Organ“ – zunächst der KPD und dann der Einheitspartei SED und blieb das Propaganda-Blatt bis zum Mauerfall 1989. Doch mit der friedlichen Revolution emanzipierte sich auch die Belegschaft der „Schweriner Volkszeitung“ von der Partei. In der Redaktion wurde zusehends heftig diskutiert über Pluralismus, Wahrhaftigkeit und Unabhängigkeit der Berichterstattung. Vor allem die jüngeren Kollegen wollten die Gängelei der Partei nicht länger hinnehmen. Die Lokalredaktionen öffneten ihre Türen „und die Leute kamen zu uns“, erinnern sich Zeitzeugen, „mit den unterschiedlichsten Anliegen, Meinungen und Forderungen“.

Ein bis dato einmaliger Akt in der DDR-Presse

Am 24. November 1989 trafen sich alle Redakteure im Schweriner Verlagshaus. Der bisherige Chefredakteur Hans Brandt, Mitglied der SED-Bezirksleitung, stellte sein Amt zur Verfügung. Als neuer Chefredakteur wird Christoph Hamm aus dem Kollegenkreis heraus gewählt. Ein bis dato einmaliger Akt in der DDR-Presse. Am 17. Januar 1990 folgte dann eine Urabstimmung: Die Redakteure und Verlagsmitarbeiter stimmten für die Trennung vom bisherigen Parteibetrieb der SED.

Das hieß allerdings auch einen kompletten wirtschaftlichen Neubeginn. Zunächst stieg Mitte der 1990er-Jahre der Bauer-Konzern in der Verlag ein, investierte in Computer und Technik. Doch die Treuhand-Anstalt revidierte diese erste Privatisierungwelle. Im zweiten Schritt wurde dann an den Burda-Verlag verkauft, der die SVZ als einzige Tageszeitung in sein Portfolio aufnahm und jahrelang entwickelte – bis der Magazin-Verlag 2005 seine Strategie änderte und die Zeitung an den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) verkaufte, der zusammen mit weiteren Unternehmen zur Medienholding Nord (mh:n) wurde.

SVZ seit 2016 bei NOZ Medien Gruppe

Diese ganze Holding erwarb dann 2016 die Osnabrücker NOZ Medien Gruppe, die den traditionellen Verlegerfamilien Fromm und Elstermann gehört. Seither zählt die NOZ/mh:n Medien Gruppe nicht nur zu den zehn größten deutschen Verlagsgruppen, sondern auch zu den innovativsten. In der Gruppe wird arbeitsteilig zusammengearbeitet, die regionalen Titel genießen indes hohe Autonomie. Um täglich qualitativ hochwertige Informationen und Dienstleistungen zu liefern, beschäftigen NOZ/mh:n Medien mehr als 3000 Mitarbeiter an rund 60 Standorten in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (Prignitz).

Eigentümer investieren in Personal und Technologie

Das wirtschaftliche Rückgrat bilden die 46 Tageszeitungstitel mit einer Gesamtauflage von rund 418 000 Exemplaren und zirka 150.000 Digitalabonnenten sowie 44 Anzeigenblätter mit einer Auflage von knapp zwei Millionen. „Starke Einzelspieler bilden ein erfolgreiches Team − NOZ MEDIEN ist heute leistungsstarker Ansprechpartner für alle Anforderungen im Bereich Medien und Kommunikationsdienstleistungen“, heißt es treffend auf der Unternehmens-Webseite.

Seitdem wächst die Redaktion in Mecklenburg-Vorpommern stetig. Die Eigentümer investieren kräftig in Personal und Technologie und in den Anspruch, die regionale Informationsplattform Nummer eins zu sein.

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